"Die vorhandenen Strukturen lassen Erneuerung nicht zu"

»Kurz vor dem Mauerfall spricht der Schauspieler Jan Josef Liefers auf der Groß-Demonstrationen auf dem Berliner Alexanderplatz. Es ist die ers­te offi­zi­ell geneh­mig­te Demonstration in der DDR, orga­ni­siert von Schauspielern und Mitarbeitern an Ost-Berliner Theatern.«
swr.de

21 Antworten auf „"Die vorhandenen Strukturen lassen Erneuerung nicht zu"“

  1. Danke für den Geschichtsunterricht! Vielen ist der Blick dar­auf abhan­den gekom­men. Ich bin begeis­tert von #alles­dicht­ma­chen ! Das Projekt ist großartig!

  2. Die Webseite ist wie­der erreich­bar – mit einem Statement
    https://allesdichtmachen.de/
    "Die Aktion #alles­dicht­ma­chen hat Wellen geschla­gen. Es wur­de bewußt ent­schie­den, die Videos nicht mit einem “Statement” zu flan­kie­ren, denn dann hät­ten alle nur über das Statement gere­det. Aber das heißt nicht, dass wir nichts zu sagen hät­ten. Wir leug­nen auch nicht Corona oder stel­len in Abrede, daß von der Krankheit Gefahr aus­geht und Menschen dar­an sterben.

    Vielmehr geht es uns um die Corona-Politik, ihre Kommunikation und den öffent­li­chen Diskurs, der gera­de geführt wird. Wir üben Kritik mit den Mitteln von Satire und Ironie. Wenn man uns dafür auf mas­sivs­te Art und Weise beschimpft und bedroht, ist das ein Zeichen, dass hier etwas ins Ungleichgewicht gera­ten ist.

    Wir las­sen uns auch nicht in eine Ecke stel­len mit Rechten, Verschwörungstheoretikern und Reichsbürgern. Auch die AfD steht für alles, was wir ableh­nen. Wenn man sich nicht traut, Selbstverständlichkeiten anzu­mah­nen, weil man Applaus von der fal­schen Seite fürch­tet, dann zeigt das allen­falls, daß der Diskurs in eine Schieflage gera­ten ist.

    Nicht alle in die­ser Gruppe sind Gegner eines wie auch immer gear­te­ten Lockdowns. Einige schon. Aber dar­um geht es nicht. Wir behaup­ten auch nicht, es bes­ser zu wis­sen und auch nicht, dass alle Maßnahmen falsch sind. Es geht nicht um Viren, Zahlen oder Kurven. Es geht um die Art, wie Staat und Bürger inter­agie­ren, und um die Frage, in was für einer Gesellschaft wir leben wol­len. Es geht dar­um, daß Kritik am Lockdown ein legi­ti­mer Standpunkt ist, der sich mit Argumenten und Fakten unter­mau­ern läßt. Es geht um den Blick auf die Schäden, die die Corona-Maßnahmen auf vie­ler­lei Art anrich­ten. Es geht dar­um, daß Kinder und Jugendliche um einen wich­ti­gen Teil ihres Lebens betro­gen wer­den. Es geht dar­um, über den eige­nen Tellerrand zu schau­en. Es geht um eine Rhetorik von „Wir” und „Gemeinsamkeit”, die schon des­we­gen falsch ist, weil offen­sicht­lich nicht “wir alle” da “gemein­sam” drin­ste­cken, son­dern in sehr unter­schied­li­chem Maße: Die Schere von Arm und Reich geht immer wei­ter auf. Es geht am Ende auch um den bekann­ten Slogan: Leave no one behind.

    Wir sind bei all jenen, die zwi­schen die Fronten gera­ten sind. Den Verängstigten, den Verunsicherten und Eingeschüchterten und jenen, die ver­stummt sind. Uns geht es dar­um, end­lich offen, respekt­voll und auf Augenhöhe mit­ein­an­der zu reden."

    Super Aktion!

    1. @Erfurt: Alte Rechnung offen? "Es geht um eine Rhetorik von „Wir” und „Gemeinsamkeit”, die schon des­we­gen falsch ist, weil offen­sicht­lich nicht “wir alle” da “gemein­sam” drin­ste­cken, son­dern in sehr unter­schied­li­chem Maße: Die Schere von Arm und Reich geht immer wei­ter auf. Es geht am Ende auch um den bekann­ten Slogan: Leave no one behind." Ist doch ziem­lich klar, oder?

      1. @aa,

        für die­je­ni­gen die sich das gan­ze Volkseigentum, VEB's und LPG's unter den Nagel geris­sen haben waren die Strukturen offen­sicht­lich gut genug!

        Schönen Sonntag.

    2. Na ja, ihm wur­de sowohl den Regime-Medien der DDR als auch der BRD vor­ge­wor­fen er wäre "naiv".

      Ich wür­de mal sagen, er liegt rich­tig. Wenn er den Wind 1989 hör­te, dann hört er ihn jetzt auch.

      Die "Wir" Rhetorik von der Gemeinschaft ist tota­li­tär. Es gibt da immer eini­ge, die zu der Gemeinschaft plötz­lich nicht dazu­ge­hö­ren. Das "Wir" macht eigent­lich kei­nen Sinn ohne Abgrenzung zu "Ihr".
      Du kannst dir die Erklärung auch hier nehmen
      https://www.projekt-gutenberg.org/freud/unbehag/unbehag.html
      "Es wird den Menschen offen­bar nicht leicht, auf die Befriedigung die­ser ihrer Aggressionsneigung zu ver­zich­ten; sie füh­len sich nicht wohl dabei. Der Vorteil eines klei­ne­ren Kulturkreises, daß er dem Trieb einen Ausweg an der Befeindung der Außenstehenden gestat­tet, ist nicht gering­zu­schät­zen. Es ist immer mög­lich, eine grö­ße­re Menge von Menschen in Liebe anein­an­der zu bin­den, wenn nur ande­re für die Äußerung der Aggression übrig­blei­ben. Ich habe mich ein­mal mit dem Phänomen beschäf­tigt, daß gera­de benach­bar­te und ein­an­der auch sonst nahe­ste­hen­de Gemeinschaften sich gegen­sei­tig befeh­den und ver­spot­ten, so Spanier und Portugiesen, Nord- und Süddeutsche, Engländer und Schotten usw. Ich gab ihm den Namen »Narzißmus der klei­nen Differenzen«, der nicht viel zur Erklärung bei­trägt. Man erkennt nun dar­in eine beque­me und rela­tiv harm­lo­se Befriedigung der Aggressionsneigung, durch die den Mitgliedern der Gemeinschaft das Zusammenhalten erleich­tert wird. Das über­all­hin ver­spreng­te Volk der Juden hat sich in die­ser Weise aner­ken­nens­wer­te Verdienste um die Kulturen sei­ner Wirtsvölker erwor­ben; lei­der haben alle Judengemetzel des Mittelalters nicht aus­ge­reicht, die­ses Zeitalter fried­li­cher und siche­rer für sei­ne christ­li­chen Genossen zu gestal­ten. Nachdem der Apostel Paulus die all­ge­mei­ne Menschenliebe zum Fundament sei­ner christ­li­chen Gemeinde gemacht hat­te, war die äußers­te Intoleranz des Christentums gegen die drau­ßen Verbliebenen eine unver­meid­li­che Folge gewor­den; den Römern, die ihr staat­li­ches Gemeinwesen nicht auf die Liebe begrün­det hat­ten, war reli­giö­se Unduldsamkeit fremd gewe­sen, obwohl die Religion bei ihnen Sache des Staates und der Staat von Religion durch­tränkt war. Es war auch kein unver­ständ­li­cher Zufall, daß der Traum einer ger­ma­ni­schen Weltherrschaft zu sei­ner Ergänzung den Antisemitismus auf­rief, und man erkennt es als begreif­lich, daß der Versuch, eine neue kom­mu­nis­ti­sche Kultur in Rußland auf­zu­rich­ten, in der Verfolgung der Bourgeois sei­ne psy­cho­lo­gi­sche Unterstützung fin­det. Man fragt sich nur besorgt, was die Sowjets anfan­gen wer­den, nach­dem sie ihre Bourgeois aus­ge­rot­tet haben."

      1. @B.M.Bürger: Ein "Wir" muß nicht tota­li­tär sein. Es gibt das Wir der mit den Kindern Mitfühlenden, die Zwang und see­li­schen Qualen aus­ge­setzt sind. Ich habe nichts gegen die­ses Wir und nichts gegen das aus­schlie­ßen­de Ihr gegen­über den­je­ni­gen, die sie zwin­gen. Problematisch wird es, wenn Kriterien ver­ab­so­lu­tiert wer­den. Es wird MaskengegnerInnen geben, die Fremde aus­gren­zen wol­len, es wird Impfbereite geben, die soli­da­risch mit Obdachlosen sind. Schubladen sind fehl am Platz, defi­nier­te gemein­sa­me Interessen nicht.

  3. Betrachtet man die Andersdenkenden in der DDR, und das sage ich als Mensch, der das Ende der DDR als gera­de ein­ge­schul­tes Kind erlebt hat, muss man auch hier sagen: Hinterher ist man immer schlauer.

    Ich bezie­he mich auf die Person Wolf Biermann, der "im Westen" auch heu­te noch als Dissident geach­tet wird. Seine fami­liä­re Herkunft ermög­lich­te es ihm, "lau­ter" zu stän­kern als der gro­ße Rest der Künstler. Bei vie­len Künstlern der DDR war Biermann unbe­liebt und nach sei­ner Ausbürgerung ver­brannt. Beispielhaft sei­en hier die Äußerungen von Klaus Renft in sei­ner Autobiografie "Zwischen Liebe und Zorn" zu nennen.

    Liefers' Aussagen von '89 mit denen von '21 zu ver­glei­chen, ist hane­bü­chen. Liefers ist vie­le Nachwendejahre ange­passt durch die "Wessiwelt" gezo­gen – er muss­te als Künstler nun­mal auch ein­fach Geld ver­die­nen. In der DDR war das Geld nicht das Hauptaugenmerk. Man hat­te eher damit zu tun sei­ne Gedanken in intel­li­gen­ten Texten zu verstecken.

    Von daher zie­he ich vor allen alles­dicht­ma­chen­den mei­nen Hut. Auch wenn eini­ge mora­lisch durch ihre Rückzieher (Makatsch, etc.) m.E. schlech­ter daste­hen als ohne die­sen. Von Liefers war ich ob sei­ner Angepasstheit eher posi­tiv überrascht.

  4. "Fragen muss erlaubt sein

    #staytogether@GMV_sowichtig

    Wollte mir gera­de ein Brötchen mit Erdbeermarmelade schmie­ren, habe aber gehört, dass auch Rechte Erdbeermarmelade essen .… ich lass es lie­ber, will ja kein Nazi sein."

    https://twitter.com/quakdr

  5. Covid ver­sus die Grippe, revisited

    https://swprs.org/covid-versus-the-flu-revisited/

    "Die Legitimität des Vergleichs von Covid-19 und "der Grippe" war ein hef­tig dis­ku­tier­tes Thema wäh­rend der aktu­el­len Pandemie. .."

    "..lag die Sterblichkeit 2020 bis zu einem Alter von etwa 75 Jahren zwi­schen der "asia­ti­schen Grippe" von 1957 und der Grippe von 1936. Über 75 Jahre und beson­ders über 85 Jahre stieg die Sterblichkeit 2020 steil an und über­traf sogar die Grippe von 1918 .."

    "..Ein wei­te­rer bemer­kens­wer­ter Aspekt ist, dass die Influenza von 1918 tat­säch­lich eine sehr begrenz­te Auswirkung auf die Sterblichkeit von Menschen über 45 Jahren hat­te (sie­he Abbildung unten); es wird all­ge­mein ange­nom­men, dass die­se Menschen von einem gewis­sen Grad an Immunität pro­fi­tier­ten, der auf die Exposition gegen­über einem ähn­li­chen Influenzavirus zurück­zu­füh­ren ist, das bereits im 19. Tatsächlich betra­fen 99 % der über­zäh­li­gen Influenza-Todesfälle im Jahr 1918 Menschen, die jün­ger als 65 Jahre waren. In ähn­li­cher Weise hat­te die Influenza-Pandemie von 1957 nur begrenz­te Auswirkungen auf Menschen über 70 Jahre, was auf einen gewis­sen Grad an vor­he­ri­ger Immunität zurück­zu­füh­ren ist, die im 19.

    Jahrhundert erwor­ben wur­de. Gegen das neue SARS-Coronavirus gab es dage­gen kei­ne sol­che Vorimmunität. Daher ähnelt das Altersprofil der Covid-19-Mortalität am ehes­ten der Pandemie von 1889–1892 (sie­he Abbildung oben), von der eini­ge Forscher glau­ben, dass sie eben­falls durch ein damals neu­es Coronavirus (OC43) ver­ur­sacht wurde. .."

    (Übersetzer)

      1. @Ickeicke, Dankeschön, auf der Seite lässt sich der Zeitungsartikel gut lesen. 🙂

        Der Sprachgebrauch damals zu heu­te- ver­blüf­fend ähnlich.

    1. Zu der Zeit lief eine innen­po­li­ti­sche Diskussion, ein Teil der Künstler hat­te sich mit Biermann sol­dia­ri­siert und bekam kei­ne Auftrittsmöglichkeiten mehr. Das waren z.B. Manfred Krug, Armin Mueller-Stahl, Nina Hagen u.a. Diese Künstler ver­lie­ßen die DDR was dem Publikum nicht ver­bor­gen blieb. Manfred Krug z.B. über­nahm sofort nach dem Verlassen der DDR eine Serienrolle in der ARD. (Auf Achse)

      die hier gezeig­ten Namen Anna Seghers, Ludwig Renn, Erik Neutsch (Autor von Spur der Steine das mit Manfred Krug ver­filmt wur­de und anschlie­ßend ver­bo­ten wur­de) soll­ten bewei­sen das es noch ande­re gibt – und das waren sie auch. Denn gera­de Anna Seghers und Ludwig Renn waren Exilanten und Antifaschisten.

  6. @aa
    Guter Einwurf. Mir fällt tat­säch­lich kein ange­pass­te­rer Dissident ein. Als ech­te, etwas bekann­te­re Dissidenten bzw. Opfer wür­de ich bspw. Stefan Krawczyk oder Bandmitglieder von Klosterbrüder/Magdeburg sehen.

    Etwas off­topic kommt mir da das Bundespräsidentenamt von Pfarrer Gauck in den Sinn. Angeblich soll er sich ja in den Wirren der frü­hen Wende mal zwei Stunden in der Rostocker Stasizentrale ohne Aufsicht zum Aktenstudium auf­ge­hal­ten haben… Das müss­te noch­mal im Archiv des Spiegel erforscht werden.

    Sicher ist aber das Gauck kein Bürgerrechtler oder men­schen­lie­ben­der Pfarrer war. Er hat sich nach der Wende so wun­der­bar zu einer Licht- und Predigergestalt ent­wi­ckelt. Siehe nur https://m.tagesspiegel.de/politik/der-kuenftige-bundespraesident-war-joachim-gauck-ein-buergerrechtler/6252756.html , wenn viel­leicht auch etwas zu ein­sei­tig geschrieben.

    1. Für mich ist die­ser Mann nur "Gauck der Gauckler." Mir wäre es lie­ber gewe­sen, einen Bundespräsidenten zu haben, der mehr das Hirn, denn die "Seele ", die er selbst nicht hat­te, ansprach.
      Der war weder Bürgerrechtler noch eine men­schen­lie­ben­de Person, der bestimmt kei­nen Ostkaffee getrun­ken hat.
      Seine Söhne durf­ten bereits in jun­gen Jahren den Osten verlassen.
      Für mich ist die­ser Mann ein Heuchler von den Haarspitzen bis zu den Fussnägeln.
      Aber der Grosteil der Deutschen braucht Herz.
      Und das hat er frei Haus geliefert.

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