Drosten: Kerngesunde in Meldestatistik

Aufsehen erre­gen­des teilt Christian Drosten in einem Interview mit wiwo.de mit. Es steht unter der Überschrift "'Der Körper wird stän­dig von Viren ange­grif­fen'". Dort ist zu lesen:

»Als in Bergamo Ende März die­sen Jahres aber plötz­lich eine gan­ze Reihe von Corona-Fällen auf­tauch­ten, ent­schie­den die dor­ti­gen Ärzte, alle Patienten und das kom­plet­te Krankenhaus­personal auf den Erreger zu tes­ten. Und dazu wähl­ten sie eine hoch­emp­find­li­che Methode aus, die Polymerase-Kettenreaktion (PCR).

[Wiwo;] Klingt modern und zeitgemäß.

Ja, aber die Methode ist so emp­find­lich, dass sie ein ein­zel­nes Erbmolekül die­ses Virus nach­wei­sen kann. Wenn ein sol­cher Erreger zum Beispiel bei einer Krankenschwester mal eben einen Tag lang über die Nasenschleimhaut huscht, ohne dass sie erkrankt oder sonst irgend etwas davon bemerkt, dann ist sie plötz­lich ein Corona-Fall. Wo zuvor Todkranke gemel­det wur­den, sind nun plötz­lich mil­de Fälle und Menschen, die eigent­lich kern­ge­sund sind, in der Meldestatistik ent­hal­ten. Auch so lie­ße sich die Explosion der Fallzahlen in Italien erklä­ren. Dazu kommt, dass die Medien vor Ort die Sache unglaub­lich hoch gekocht haben.

[Wiwo;] Sie mei­nen, dass die Medien einen Einfluss auf die Meldezahlen haben?

In der Region gibt es kaum noch ein anders Thema in den TV-Nachrichten oder Tageszeitungen. Und auch Ärzte in Krankenhäusern sind Konsumenten die­ser Nachrichten. Die über­le­gen sich dann eben­falls, dass sie mal ein Auge auf die­se bis­her auch inItalien sehr sel­te­ne Erkrankung wer­fen müss­ten. Die Medizin ist nicht frei von Modewellen.

… Das ist hier­zu­lan­de nicht anders. Berichten "Bild" oder die Abendnachrichten über einen Ausbruch eines bestimm­ten Virus, steigt die Zahl der Laboruntersuchungen deut­lich an. Einfach, weil auch Ärzte dann sen­si­bi­li­siert sind und gezielt Ausschau hal­ten nach den Erregern, über die berich­tet wird.

[Wiwo;] Was wäre Ihrer Meinung nach zu tun?

Es wäre sehr hilf­reich, wenn die Behörden in Italien wie­der dazu über­ge­hen wür­de, die bis­he­ri­ge Definitionen der Krankheit ein­zu­hal­ten. Denn was zunächst inter­es­siert, sind die ech­ten Fälle. Ob sym­ptom­lo­se oder mild infi­zier­te Krankenhausmitarbeiter wirk­lich Virusträger sind, hal­te ich für frag­lich. Noch frag­li­cher ist, ob sie das Virus an ande­re wei­ter­ge­ben kön­nen. Das Beraterteam des neu­en Gesundheitsministers soll­te stär­ker zwi­schen medi­zi­nisch not­wen­di­ger Diagnostik und wis­sen­schaft­li­chem Interesse unterscheiden.

[Wiwo;] Kann die WHO da nicht steu­ernd eingreifen?

Die WHO kann nur Empfehlungen zur Fallmeldung geben, aber die sind nicht rechts­ver­bind­lich. Im Falle von Sars hat­te sie damals zum Beispiel nur sol­che Fälle zur Meldung emp­foh­len, in denen ein Antikörpertest posi­tiv war.

[Wiwo;] Und was heißt das?

Unser Körper wird ja stän­dig von Viren und Bakterien ange­grif­fen. Sie schei­tern aber oft­mals schon an Barrieren wie der Haut oder den Schleimhäuten in Nase und Rachen. Dort wer­den sie erfolg­reich abwehrt, bevor sie Unheil anrich­ten kön­nen. Nur gegen sol­che Krankheitserreger, die unse­ren Körper ernst­haft befal­len, ent­wi­ckelt die Immunabwehr auch Antikörper. Wenn Antikörper da sind, bedeu­tet das, der Mensch hat tat­säch­lich eine Infektion gehabt. Ein sol­cher Antikörpertest wür­de die Unterscheidung zwi­schen wis­sen­schaft­lich inter­es­san­ten und medi­zi­nisch rele­van­ten Fällen sehr erleich­tern.«


Ich geste­he: Das Interview wur­de im Jahr 2014 geführt. Im Originaltext ste­hen statt Bergamo Dschidda, statt Corona Mers und anstel­le von Italien Saudi-Arabien. Danke an Illa für den Fund!

(Hervorhebungen nicht in den Originalen.)

8 Antworten auf „Drosten: Kerngesunde in Meldestatistik“

  1. "Wenn Antikörper da sind, bedeu­tet das, der Mensch hat tat­säch­lich eine Infektion gehabt. "

    Und auch das stimmt mei­nem Verständnis nach nicht. Das Immunsystem arbei­tet auf unter­schied­lichs­ten Ebenen, und Antikörper sind nur ein ein­zel­nes klei­nes Puzzle-Teilchen davon – das vor­han­den sein kann oder auch nicht. Je nach­dem, wie das Immunsystem mit der Infektion umge­gan­gen ist. Das muß aber ein Wirrolog natür­lich nicht wis­sen. Überhaupt wis­sen Wirrologen über den Menschen prak­tisch nichts wie wir heut­zu­ta­ge schmerz­lich erfah­ren müssen.

  2. Die in D durch­ge­führ­ten Antikörperstudien kom­men regel­mä­ßig auf eine Dunkelziffer in Höhe des fünf- bis sechs­fa­chen der gemel­de­ten PCR-Test-Positiven. Streecks Heinsbergstudie sogar über sie­ben­fach. Somit eher nicht geeig­net, damit über­höh­te Fallzahlen in der Statistik nach­zu­wei­sen. Aber das hat­ten wir ja alles schonmal.

  3. Sorry, der Artikel ist ein Fake. Das Interview stammt von 2014, es ging um Mers. Aber letzt­lich beschei­nig­te selbst Drosten dem PCR Test, das die­ser viel zu emp­find­lich ist.
    Guckt bei der Wiwo nach, da fin­det Ihr den Originalartikel

  4. Könnt ihr das nicht oben rüber­schrei­ben, statt unten? Ich habe mich bereits auf die aktu­el­len Aussagen beru­fen, weil ich dach­te wenn er von Bergamo redet, ist das ein aktu­el­ler Artikel. Jetzt erst beim zwei­ten Lesen krie­ge ich mit, dass ich mich zum Idioten mache, weil ich mich auf die fal­sche Quelle verlasse.

    1. @Nikolaus Dulgeridis: Pardon, das war natür­lich nicht die Absicht! Es zeigt aber, auch wir aus der Kritik-Ecke soll­ten immer auch das Kleingedruckte lesen.

      1. Nicht so wild, ich hab das noch kor­ri­giert. Grundsätzlich bin ich extrem froh, dass es die Corodok Ecke gibt. Also vie­len Dank, trotz des Missverständnisses.

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