Holla, Frau Kaddor!

Noch zum Jah­res­en­de schrieb sie: "Imp­fung ver­wei­gern: unver­nünf­tig, unso­zi­al, unethisch" (s. hier). Heu­te gibt sie sich rich­tig frech:

t‑online.de (13.5.)

»Ab Mit­te März über­schlu­gen sich die War­nun­gen vor explo­die­ren­den Coro­na-Inzi­den­zen in Deutsch­land. Viel­fach schlim­mer als an Weih­nach­ten soll­te es nach Ostern wer­den. Das Robert Koch-Insti­tut und sein Prä­si­dent Lothar Wie­ler kamen in Modell­rech­nun­gen auf Wer­te zwi­schen 300 bis über 500 – wegen der bri­ti­schen Virus­va­ri­an­te B.1.1.7.

Bun­des­kanz­le­rin Ange­la Mer­kel und Gesund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn mahn­ten in Dau­er­schlei­fe. Regie­rungs­be­ra­ten­de For­scher der TU Ber­lin erklär­ten am 19. März sogar, man müs­se unter Umstän­den mit Inzi­den­zen von 2.000 im Mai rech­nen. Pro­mi­nent ver­brei­tet wur­de die­ses 2.000er-Horrorszenario vom Gesund­heits­exper­ten Karl Lau­ter­bach. "Dies wür­de mas­si­ve Zunah­me der Covid-Toten und Inva­li­den bedeu­ten", schrieb der SPD-Poli­ti­ker auf Twit­ter und ver­knüpf­te es mit der For­de­rung: "Wir brau­chen daher die Aus­gangs­sper­re ab 20 Uhr." Auch Schnell­tests könn­ten das nur brem­sen, nicht voll vermeiden.

In der Kommunikation ist ordentlich etwas schiefgelaufen

Pro­mi­nen­te Viro­lo­gin­nen und Viro­lo­gen pflich­te­ten ihm bei. Coro­na­tests, Imp­fun­gen, die Wet­ter­la­ge im Früh­ling dürf­ten alle­samt kei­ne grö­ße­ren Effek­te haben, hieß es. Und dann began­nen die Inzi­den­zen, noch bevor die Bun­des­not­brem­se mit ihrer Aus­gangs­sper­re ab 22 Uhr in Kraft trat, zu sinken. 

In der Kom­mu­ni­ka­ti­on der Exper­tin­nen und Exper­ten ist offen­bar ordent­lich etwas schief­ge­lau­fen…«

Damit wer­den sie wohl nicht durch­kom­men. Nicht jeder Skan­dal kann als Kom­mu­ni­ka­ti­on­s­pan­ne ver­nied­licht wer­den. Die Genann­ten haben schlicht gelo­gen, sie wuß­ten es bes­ser. Des­halb ist die fol­gen­de Erklä­rung auch falsch:

»Es ist ein wenig wie mit Wetterberichten

Geschei­tert sind die meis­ten Pro­gno­sen offen­bar dar­an, die gro­ßen Unbe­kann­ten wie das Ver­hal­ten der Bevöl­ke­rung, die Ent­wick­lung der Impf­ra­te und den Effekt von Sai­so­na­li­tät in pas­sen­de Para­me­ter zu über­füh­ren. Nicht alle Model­le sei­en gleich schlecht gewe­sen, wen­det Cor­ne­li­us Römer ein. Der Vor­wurf der Panik­ma­che an die Model­lie­rer ins­ge­samt sei daher unge­recht­fer­tigt. Dem ist gewiss zuzu­stim­men. Hän­gen blei­ben bei den Men­schen trotz­dem die Feh­ler. Es ist tat­säch­lich ein wenig wie mit Wet­ter­be­rich­ten.«

Ist es nicht. Tat­säch­lich lie­gen Wet­ter­be­rich­te nicht sel­ten falsch, vor allem, wenn sie ein Wet­ter für gan­ze Bun­des­län­der vor­aus­zu­sa­gen mei­nen. Eine der­ar­ti­ge gro­tes­ke Feh­ler­quo­te wie bei den Coro­na-Model­lie­run­gen hat es beim Wet­ter­be­richt hin­ge­gen nie gege­ben. Das liegt auch dar­an, daß dafür sehr viel mehr vali­de Daten zur Ver­fü­gung ste­hen als bei dem Zah­len­müll, den nach­weis­lich das RKI zur Ver­fü­gung stellt.

»Möglichkeit gezielter Kampagnen besteht

Ich gehe davon aus, dass dahin­ter in der Regel kein Kal­kül stand. Den­noch besteht zumin­dest die Mög­lich­keit geziel­ter Kam­pa­gnen. Die Wis­sen­schaft spricht von Prä­ven­ti­ons­pa­ra­do­xon: Die War­nung mit­tels Modell­be­rech­nun­gen führt dazu, dass Men­schen ihr Ver­hal­ten ver­än­dern, und die Berech­nun­gen am Ende nicht zutref­fen. Das könn­te man gezielt ein­set­zen.«

Bei aller Kri­tik und damit ein­her­ge­hen­der Blau­äu­gig­keit darf in einem Mas­sen­me­di­um nicht fehlen:

»Beherzteres Einschreiten wäre nötig gewesen

Erfreu­li­cher­wei­se sind die schlimms­ten Pro­gno­sen nicht ein­ge­tre­ten. Den­noch ster­ben an den meis­ten Wochen­ta­gen täg­lich zwi­schen 200 und 300 Men­schen mit einer Covid-19-Erkran­kung. Und das seit Mona­ten. Seit dem Herbst haben wir eine dra­ma­ti­sche Situa­ti­on in Deutsch­land, die größ­ten­teils die Poli­tik zu ver­ant­wor­ten hat, weil sie sich statt für einen kur­zen, aber har­ten Lock­down für einen wei­che­ren Dau­er-Lock­down ent­schie­den hat. Beherz­te­res Ein­schrei­ten wäre nötig gewe­sen.«

Man hät­te aber bes­ser nicht so dreist lügen sol­len, meint die Autorin, wenn sie das Wort auch nicht ver­wen­det. Immerhin:

»Der von vie­len weni­ger hofier­te Epi­de­mio­lo­ge Klaus Stöhr [sag­te] schon am 9. Febru­ar mit Blick auf B.1.1.7. im ZDF: "Die Sze­na­ri­en mit expo­nen­ti­ell stei­gen­den Infek­ti­ons­zah­len durch die Vari­an­te stim­men nicht mit der Rea­li­tät der Bekämp­fung über­ein." Dabei ver­wies er auf die Erfah­run­gen in Irland, Groß­bri­tan­ni­en oder Däne­mark, wo die Infek­ti­ons­zah­len deut­lich zurück­ge­gan­gen sei­en, wäh­rend gleich­zei­tig der Anteil der Mutan­te an den Infek­tio­nen stieg.

Am Ende des Tages liegt ein Klaus Stöhr mit sei­ner Ein­schät­zung näher an der Wirk­lich­keit als ein Karl Lau­ter­bach mit sei­nem Ver­weis auf die 2000er-Inzi­denz. Ein gutes Argu­ment für Medi­en­schaf­fen­de also, fach­li­che Ein­schät­zun­gen künf­tig bes­ser zu streu­en und weni­ger oft auf die­sel­ben Per­so­nen zu set­zen – nicht nur in der Coro­na-Pan­de­mie. Dann kön­nen Men­schen jen­seits der Wis­sen­schaft auch bes­ser erken­nen, dass Wis­sen­schaft zumeist kei­ne abso­lu­ten Wahr­hei­ten pro­du­ziert, son­dern mit The­sen und Gegen­the­sen ste­tig um die rich­ti­gen Details ringt.«

Erstaun­li­che Erkennt­nis­se, die lei­der reich­lich spät kom­men. Frau Ked­dar soll­te sich ihren Arti­kel aus dem Dezem­ber noch ein­mal vornehmen.

10 Antworten auf „Holla, Frau Kaddor!“

  1. Die neh­men mit Vor­satz, die­se gefälsch­ten Web­site, wo alle Zah­len erfun­den und mani­pu­liert wur­den. Das ist Orga­ni­sier­tes Ver­bre­chen. Kein Impres­sum, hat die­se gefälsch­te RKI Web­site, was alle Medi­en und angeb­li­che Wis­sen­schaft­ler benutz­ten, die Leo­pol­di­na eben­so. es Gibt dann sogar WHO Vari­an­ten von die­sen Fäl­schun­gen, auf US Ser­ver lau­fend, wie eine WHOIS Abfra­ge zeigt. Gefälsch­te RKI Web­site, der Medi­en, der Poli­ti­ker, wo will­kür­lich Zah­len ein­ge­setzt werden

    https://​expe​ri​ence​.arc​gis​.com/​e​x​p​e​r​i​e​n​c​e​/​4​7​8​2​2​0​a​4​c​4​5​4​4​8​0​e​8​2​3​b​1​7​3​2​7​b​2​b​f​1​d​4​/​p​a​g​e​/​p​a​g​e​_1/

  2. Mit unse­rem Ver­hal­ten hat das gar nichts zu tun. Das hat dar­auf nicht den gerings­ten Ein­fluss. Die gan­ze Pan­de­mie wird durch die Ent­wick­lung an der Bör­se bestimmt.

  3. Die einen haben Ahnung, ande­re halt nicht. Kar­la, der Tag an dem du ein­rückst wird der Tag an dem ich trotz schwers­tem Asth­ma die Cohi­ba die ich seit 2003 in mei­nem Humi­dor hor­te anzünde◉‿◉

  4. Die "gro­ße Unbe­kann­te", die alle, wirk­lich alle Model­le (da mag ein Herr Roe­mer noch so sehr die Rea­li­tät ver­leug­nen) hat schei­tern las­sen, ist die angeb­lich höhe­re Ver­brei­tungs­ge­schwin­dig­keit der "besorg­nis­er­re­gen­den Vari­an­ten". Die ger­ne kol­por­tier­ten 35% haben nie den Ein­fluss auf die rea­le Ver­brei­tungs­ge­schwin­dig­keit bezeich­net, son­dern waren das Maxi­ma­l­ergeb­nis einer hoch­va­ri­an­ten, aus sehr begrenz­ten Daten­men­gen abge­lei­te­ten Berech­nung einer Eins-zu-Eins Anste­ckungs­wahr­schein­lich­keit. Man muss als Model­lie­rer sehr skru­pel­los sein, um einen sol­cher­art ermit­tel­ten Wert als zen­tra­len Para­me­ter für die Ver­brei­tung in der Gesell­schaft zu nut­zen. Da man dar­über hin­aus schon die Ver­brei­tungs­ge­schwin­dig­keit der ursprüng­li­chen Virus­va­ri­an­te über­schätzt und nie den aus der Rea­li­tät gewinn­ba­ren Erkennt­nis­sen ange­passt und auch noch dar­auf ver­zich­tet hat zu berück­sich­ti­gen, dass in der Natur und ins­be­son­de­re in der mensch­li­chen Gesell­schaft expo­nen­ti­el­le Ver­läu­fe nur kurz­zei­tig sta­bil sind, hat man spek­ta­ku­lär an der Rea­li­tät vor­bei modelliert.
    Das ist eine Häu­fung von Anfän­ger­feh­lern, die nicht mehr durch Inkom­pe­tenz, son­dern nur mit Absicht zu erklä­ren ist.

    Da nutzt alles Schwa­feln und alle Legen­den­bil­dung nichts.

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