Drosten-Dissertation: Ein Zwischenstand und neue Fragen

Nach wie vor ist es zur Zeit nicht mög­lich, Ein­sicht in die Dis­ser­ta­ti­on von Chris­ti­an Dros­ten zu neh­men. Zwei Exem­pla­re in der Frank­fur­ter Uni­ver­si­täts­bi­blio­thek kön­nen weder aus­ge­lie­hen noch vor­ge­merkt wer­den. Anfra­gen auf Bereit­stel­lung eines wei­te­ren Scans wer­den abschlä­gig beschie­den oder nicht beantwortet.

Ledig­lich ein Inhalts­ver­zeich­nis der Arbeit kann als PDF gela­den wer­den. Die Datei trägt merk­wür­di­ger­wei­se das Erstel­lungs­da­tum 8.6.2020 08:53:56.

Am 13.7. wur­de ein ande­rer Scan des Inhalts­ver­zeich­nis­ses auch in die Deut­sche Natio­nal­bi­blio­thek ein­ge­stellt. Dort war die Arbeit von 2001/2003 bis­her nicht gelis­tet. Hier trägt die PDF-Datei das Erstel­lungs­da­tum 13.7.20 18:27:18.

Es wäre ein­fach, Spe­ku­la­tio­nen den Boden zu ent­zie­hen, indem die UB eine digi­ta­li­sier­te Ver­si­on zum Down­load anböte.

So jedoch kann vor­läu­fig die Fra­ge nicht beant­wor­tet wer­den, wie es mit der Anfor­de­rung der Pro­mo­ti­ons­ord­nung bestellt ist, die vorschreibt

Ȥ 6 Dissertation
(1) Die Dis­ser­ta­ti­on muß wis­sen­schaft­li­chen Ansprü­chen genü­gen und einen Bei­trag zum Fort­schritt der Wis­sen­schaft auf dem Gebiet der Medi­zin oder Zahn­me­di­zin lie­fern. Sie muß eine selb­stän­di­ge Leis­tung des/der Doktorand/in sein und bewei­sen, daß diese/ die­ser befä­higt ist, eine wis­sen­schaft­li­che Fra­ge­stel­lung mit ein­wand­frei­er Metho­dik unter wis­sen­schaft­li­cher Anlei­tung zu bear­bei­ten und unter Berück­sich­ti­gung des Schrift­tums ver­ständ­lich darzustellen.«

Eine wei­te­re Fra­ge betrifft die­se Voraussetzung:

Ȥ 3
Vor­aus­set­zun­gen zur Promotion
… (4) Vor­aus­set­zun­gen zur Pro­mo­ti­on zum/r Doktor/in der theo­re­ti­schen Medi­zin (Dr. rer. med.) sind:
… e) Eine min­des­tens ein­jäh­ri­ge, ganz­tä­gi­ge, wis­sen­schaft­li­che Tätig­keit im Fach­be­reich Human­me­di­zin der Johann Wolf­gang Goe­the-Uni­ver­si­tät oder einem dem Fach­be­reich Human­me­di­zin zuge­ord­ne­ten Aka­de­mi­schen Lehr­kran­ken­haus. Die­se Tätig­keit ist in der Regel bereits bei Annah­me als Doktorand/in nachzuweisen…
Von die­ser Rege­lung kann der Pro­mo­ti­ons­aus­schuß in beson­de­ren Fäl­len abweichen.«

Kor­rek­tur 28.7.:

Hier lag ein Denk­feh­ler vor. Das Zitat bezieht sich auf eine Pro­mo­ti­on zum Dr. rer. med. und fin­det des­halb kei­ne Anwen­dung auf Herrn Drosten.

In einem von zwei ver­mut­lich von Herrn Dros­ten ver­faß­ten Lebens­läu­fen wird falsch sei­ne Pro­mo­ti­on in das Jahr 2000 ver­legt, der ande­re nennt 2003. In bei­den ist zu fin­den, daß er ab dem Jahr 2000 am Bern­hard-Nocht-Insti­tut für Tro­pen­me­di­zin in Ham­burg beschäf­tigt war, in einem liest man die Anga­be "Assis­tenz­arzt". Laut Wiki­pe­dia ist dies "ein appro­bier­ter Arzt ohne lei­ten­de Funktion".

Das Ham­bur­ger Insti­tut wird kein Aka­de­mi­sches Lehr­kran­ken­haus der Frank­fur­ter Uni­ver­si­tät gewe­sen sein. Zwei Mög­lich­kei­ten schei­nen zu bestehen:

Ent­we­der hat Herr Dros­ten bereits vor dem Arbeits­an­tritt in Ham­burg im Jahr 2000 ein Jahr lang ganz­tä­gig wis­sen­schaft­lich in Frank­furt gear­bei­tet. Ver­trägt sich das mit der Anga­be, daß er 2002 die ärzt­li­che Appro­ba­ti­on erhal­ten hat? Und wie konn­te er – die Wiki­pe­dia-Defi­ni­ti­on als kor­rekt unter­stellt – bereits 2000 als Assis­tenz­arzt wirken?

Oder der Pro­mo­ti­ons­aus­schuß hat Grün­de für eine Aus­nah­me gese­hen. Wel­che waren das dann?

Gibt es wei­te­re Erklä­run­gen? Viel­leicht fin­det sich ein Leser oder eine Lese­rin, der oder die ver­traut ist mit den Abläu­fen des Medi­zin­stu­di­ums in die­sen Jah­ren und hier wei­ter­hel­fen kann. Viel­leicht ist das Gan­ze ja nur ein ein­zi­ges Mißverständnis.

(Her­vor­he­bun­gen nicht in den Originalen.)

4 Antworten auf „Drosten-Dissertation: Ein Zwischenstand und neue Fragen“

  1. Obi­ge Punk­te mit der Bit­te um Klä­rung über einem offe­nen Brief an die Cha­ri­té stel­len könn­te evtl. Klar­heit schaffen.

  2. Nor­ma­ler­wei­se müss­te es von der Dros­ten-Dis­ser­ta­ti­on zwei Exem­pla­re in der Deut­schen Natio­nal­bi­blio­thek geben. Sowohl in Frank­furt als auch in Leip­zig, unab­hän­gig an wel­cher Uni­ver­si­tät sie geschrie­ben wur­de (in die­sem Fall wohl an der Uni Frank­furt). Hier ein Link dazu: https://​www​.dnb​.de/​D​E​/​P​r​o​f​e​s​s​i​o​n​e​l​l​/​S​a​m​m​e​l​n​/​s​a​m​m​e​l​n​_​n​o​d​e​.​h​t​m​l​;​j​s​e​s​s​i​o​n​i​d​=​4​0​7​E​A​5​9​1​0​F​7​5​E​4​9​3​3​8​9​E​6​A​D​F​6​0​4​E​5​3​8​7​.​i​n​t​e​r​n​e​t​5​5​1​#​s​p​r​g​2​1​0​124. Da die Dis­ser­ta­ti­on nicht online ver­öf­fent­licht wur­de (2001 bzw. 2003 war das auch noch nicht üblich), muss das Exem­plar in Frank­furt eine gedruck­te, gebun­de­ne und voll­stän­di­ge Aus­ga­be sein. Also, auf nach Frank­furt und die Dis­ser­ta­ti­on in den dor­ti­gen Lese­saal bestel­len! Dies müss­te auch für Tages­gäs­te ohne Biblio­theks­aus­weis mög­lich sein.
    Aber bes­ser vor­her auf der Home­page der DNB nach­schau­en, ob es wegen der "Coro­na-Kri­se" ein extra dafür geschal­te­tes Reser­vie­rungs­sys­tem gibt. Es könn­te sein, dass der Ein­lass täg­lich nur für eine bestimm­te Anzahl von Nut­zern mög­lich ist.

  3. Gab es nicht damals noch das AiP? Ein Jah oder laen­ger Arzt im Prak­ti­kum? Kann es sein, dass das im erwaehn­ten Lebens­lauf als "Assis­tenz­arzt" bezeich­net wurde?

    1. Ein­Dok­tor­Dok­tor: Ja, es galt das AIP. Damit ist man aber kein Assis­tenz­arzt, oder sehen Sie das anders? Die Appro­ba­ti­on setzt den Abschluß der Tätig­keit als AIP voraus.

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