„Labordaten allein sollten nicht unser Handeln bestimmen“

Das sagt Prof. Gérard Krause am 25.7. in einem Interview auf welt.de (Bezahlschranke). In einem Land, in dem wis­sen­schaft­li­che Positionen dis­ku­tiert wer­den, wäre das Gespräch ein Donnerschlag.

»Schon früh in der Pandemie kri­ti­sier­te der Infektionsepidemiologe Gérard Krause die Fixierung auf Labordiagnostik und Fallzahlen. Er warnt vor einer ver­zerr­ten Risikowahrnehmung – und erhebt einen beson­ders schwe­ren Vorwurf.

Profes­sor Gérard Krause lei­te­te 14 Jahre den Bereich Infektionsepidemiologie am Robert-Koch-Institut, heu­te die Abteilung Epidemiologie am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung. Als Arzt und Infektionsepidemiologe hat er eine ande­re Sicht auf die Pandemie als Virologen und Mathematiker.

WELT: Mitten im Sommer stei­gen in Deutschland die Fallzahlen wie­der an – müs­sen wir uns Sorgen machen?

Gérard Krause: Sorgen müs­sen wir uns machen, wenn auch die Zahl der Krankenhauseinweisungen und die der Todesfälle deut­lich anstei­gen. Das ist im Moment nicht erkenn­bar. Dass die Fallzahlen stei­gen, ist nicht über­ra­schend: Die Maßnahmen wur­den gelo­ckert, durch die Urlaubsreisen hat die Mobilität zuge­nom­men. Dazu kommt, dass die Delta-Variante deut­lich leich­ter über­trag­bar ist. Die Kombination die­ser Faktoren führt zu mehr Fällen.

WELT: Sie haben in der Vergangenheit kri­ti­siert, dass poli­ti­sche Maßnahmen an Fallzahlen gekop­pelt werden.

Krause: Es ist sinn­voll, die Fallzahlen mit in Betracht zu zie­hen. Aber wenn man sie zum allei­ni­gen Richtwert aller Maßnahmen macht, führt das zu fal­schen Schwerpunkten und ver­meid­ba­ren Nebenwirkungen. Es kann auch ver­häng­nis­voll sein, sie als Richtwert gesetz­lich zu ver­an­kern – den Verantwortlichen vor Ort blei­ben dann kaum noch Möglichkeiten für eine ört­li­che und ganz­heit­li­che Strategie. Und ja, ich habe seit dem Frühjahr letz­ten Jahres in diver­sen Beratungen und auch öffent­li­chen Anhörungen des Bundestages und des Niedersächsischen Landtages immer wie­der auf die­se Problematik hin­ge­wie­sen. Durch die aktu­el­le Situation sehe ich mich bestätigt.

WELT: Woran soll­ten wir uns denn orientieren?

Krause: Wirklich bedeut­sam ist die Krankheitslast. Man muss sich nur ein­mal vor­stel­len, wir wür­den den tech­nisch-dia­gnos­ti­schen Aufwand, den wir der­zeit für Covid betrei­ben, auf ande­re Krankheitserreger aus­wei­ten. Wir wür­den Millionen Fallzahlen regis­trie­ren. Aber wol­len wir das? Als Arzt habe ich gelernt, dass eine Diagnose nicht allein auf Laborbefunden beru­hen darf und erst recht nicht die Therapie…

WELT: Ist es in der Pandemie nicht ein Segen, dass wir über die Testmöglichkeiten als Frühwarnsystem verfügen?

Krause: Die moder­nen Testmethoden und die sehr hohe Testkapazität stel­len ein wert­vol­les Instrument in der Pandemiebekämpfung dar – kein Zweifel. Aber sie müs­sen sorg­fäl­tig und mit viel Sachkenntnis inter­pre­tiert wer­den. Der star­re Fokus auf Laborwerte noch dazu eines ein­zi­gen Erregers ist nicht hilf­reich zur ganz­heit­li­chen Betrachtung der Lage

WELT: In der Pandemie lau­tet die Strategie: tes­ten, tes­ten, tes­ten – ist das nicht eine Notwendigkeit?

Krause: Die Strategie hat den Vorteil, dass wir nicht die sonst übli­che Untererfassung haben. Aber wir erhal­ten nun Signale, die wir nor­ma­ler­wei­se nie sehen wür­den. Wir müs­sen uns immer bewusst sein, wie radi­kal das System geän­dert wur­de. Normalerweise gehen Menschen mit Atemwegserkrankungen erst zum Arzt oder zur Ärztin, wenn sie sich wirk­lich schlecht füh­len oder eine Krankschreibung benö­ti­gen. Dann erfolgt meist allein auf Basis des kli­ni­schen Bildes die ärzt­li­che Diagnose einer vira­len Infektion, ohne dass eine Labordiagnostik ein­ge­lei­tet wird. Dies ist, medi­zi­nisch gese­hen, auch sach­ge­recht und effi­zi­ent so…

Wir haben einen rie­si­gen dia­gnos­ti­schen Apparat für einen ein­zi­gen Erreger auf­ge­baut, in dem wir Leute tes­ten, selbst wenn sie kei­ne Beschwerden haben. Würde man mit jedem Nasenabstrich auch auf die gän­gi­gen fünf oder zehn ande­ren Atemwegsinfektionen tes­ten, könn­te rasch der Eindruck ent­ste­hen, wir hät­ten zusätz­li­che enor­me Epidemien. Zum Beispiel wür­den wir häu­fig Meningokokken fin­den – um nur einen Erreger zu nen­nen, der im Gegensatz zu Covid-19 bei Kindern und Jugendlichen tat­säch­lich häu­fig dra­ma­ti­sche Erkrankungen ver­ur­sacht. Würden wir dann auch für die­se ande­ren Krankheiten alle Schulen und Universitäten auf Monate schlie­ßen? Was ist mit den vie­len Durchfallerkrankungen, wie Norovirus zum Beispiel, das in Altenheimen seit Jahrzehnten eine hohe Krankheitslast verursacht?…

WELT: Sollte man nicht die Fallzahlen so lan­ge klein hal­ten, bis auch Kinder und Jugendliche die Möglichkeit hat­ten, sich imp­fen zu lassen?

Krause: Nach die­ser Logik müss­te man die Kindergärten über Jahre oder Jahrzehnte schlie­ßen, bis es eine Impfung gegen RSV gibt – die­ses Virus ist für Kinder viel gefähr­li­cher als Sars-CoV‑2. Nach mei­nem Eindruck fin­det kei­ne adäqua­te Risikowahrnehmung statt. Definitiv erkran­ken Kinder nur sel­ten schwer an Covid-19. Aber es wird zuneh­mend deut­lich, dass vie­le Kinder an den Folgen von Kontaktbeschränkungen und Ausfall von Kinderbetreuung und Präsenzunterricht erkranken…

WELT: Am Donnerstag hat das RKI 213 neue Krankenhauseinweisungen wegen einer Covid-19-Erkrankung gemel­det. Zum Vergleich: In Deutschland kommt es pro Jahr zu rund 19 Millionen Krankenhauseinweisungen, das sind im Schnitt über 50.000 am Tag. Ab wann soll­te der Wert ein Grund für Gegenmaßnahmen sein – hät­ten Sie dafür einen Vorschlag?

Krause: Genau dar­um geht es: Ab wel­cher Krankheitslast recht­fer­ti­gen sich gesamt­ge­sell­schaft­li­che Einschränkungen in Mobilität, Kontaktverhalten, Erziehung, Bildung, Kultur und Wirtschaft? Ich kann die Frage nicht für die Gesellschaft beant­wor­ten, aber mir scheint, Politik und Gesellschaft müs­sen die Frage drin­gend angehen…

WELT: Was wäre denn in Deutschland anders gelau­fen, wenn wir uns weni­ger an den Fallzahlen ori­en­tiert hätten?

Krause: An min­des­tens einem ent­schei­den­den Punkt hät­te es wohl ande­re Schwerpunkte und Prioritäten gege­ben. Wir hät­ten schon im Sommer und frü­hen Herbst des letz­ten Jahres viel mehr auf die Risikogruppen geach­tet. Auch dar­auf hat­ten ja eini­ge Kollegen und ich schon seit Frühjahr 2020 hin­ge­wie­sen. Man hät­te mas­si­ve Maßnahmen ergrei­fen müs­sen, damit in den Altersheimen und bei den mobi­len Pflegediensten die Hygiene und der Infektionsschutz funk­tio­nie­ren. Das hat man nicht getan, mit dem Argument, das sei nicht mög­lich. Aber die­ses Argument ist nach­weis­lich falsch. Wir hät­ten auf die­se Weise zig­tau­send Todesfälle ver­hin­dern kön­nen, davon bin ich über­zeugt. Ich den­ke auch, dass wir dann den Umgang mit Kinderbetreuung und Schulbetrieb risi­ko­ge­rech­ter gestal­ten hät­ten kön­nen und übri­gens in Zukunft noch müssen.

WELT: Hätte man es bes­ser wis­sen können?

Krause: Einerseits ja, aber ande­rer­seits kann man in einer kom­ple­xen Situation wie der Pandemie nicht alles rich­tig machen. Nachträgliche Kritik ist oft unfair, wenn man nicht selbst in einer kom­ple­xen Gemengelage von Einflüssen und Zwängen steckt. Zum Teil aber wur­den die Beratungen der Politik etwas ein­di­men­sio­nal geführt, sie wur­den stark von Vertretern weni­ger Disziplinen domi­niert. Mir schien, Fachleute aus den Sozialwissenschaften, der Epidemiologie und Public Health und selbst der klas­si­schen Infektionsmedizin waren bei den Beratungen nur am Rande ein­ge­bun­den…« 

Wer das Haar in der Suppe sucht oder die­se Kritik als Teil einer "gesteu­er­ten Opposition" sieht, dem sei bestä­tigt: Krause befür­wor­tet die "Impfungen".

10 Antworten auf „„Labordaten allein sollten nicht unser Handeln bestimmen““

  1. Ich haet­te den Mann auf­grund die­sees Interviews auch nie fuer einen har­ten Kritiker der "Corona-Politik" geal­ten. Dafuer ist sei­ne Kritik um eini­ge Groessenordnungen zu mil­de ausgefallen.
    In einem Punkt hat er aller­dings Unrecht: Mathematiker haet­ten ihm in Punkto Kritik der Corona-Politik durch­aus zuge­stimmt. Die hat­ten naem­lich auch schon seit lan­gem (auf­grund der vom RKI vero­ef­fent­lich­ten Zahlen) erkannt, dass die Kinder kei­ne "Treiber der Pandemie" sind, dass sie durch das Virus kaum gefa­ehr­det sind, dass die Schaeden durch feh­len­de Betreuung und Wegfall des Schul-Praesenzunterrichts bei wei­tem hoeher sind als die Schaeden durch die­ses Virus bei den Kindern und Jugendlichen je sein koenn­ten und dass das Risiko durch das Virus um ein viel­fa­ches ueberhoeht dar­ge­stellt wird. Der Mathematiker Stefan Homburg aus Hannover hat­te das bereits alles im April letz­ten Jahres dar­ge­legt: ver­geb­lich, da unse­re Regierung ihm noch nicht ein­mal ansatz­wei­se zuge­ho­ert hat.

    1. Volle Zustimmung. Es waren haupt­säch­lich Physiker, die die Prognosen erstellt haben und ziem­lich dane­ben lagen. Und ein Pharmazeut war selt­sa­mer Weise auch als Modellierer dabei. Mathematiker wie z.B. Herr Antes oder Herr Kauermann sahen die Situation ähn­lich wie die Epidemiologen oder noch kritischer.

  2. …dem sei bestä­tigt: Krause befür­wor­tet die "Impfungen".

    Ich war und bin auch kein gene­rel­ler Impfgegner. Wenn die ein­ge­setz­ten Präparate ihre Wirkung erzie­len, kei­ne Schäden machen und eine ordent­li­che Zulassung haben und sich seit vie­len Jahren bewährt haben, spricht ja nichts dagegen.

    Ich bin aber strikt dage­gen, dass man den Bürgern etwas unter immer neu­en Vorwänden und Drohgebärden auf­zwingt und mit dau­er­haf­ten Verlust von Grundrechten usw. droht, wo noch nicht abseh­bar ist, wel­che Schadwirkungen die­se Mittel lang­fris­tig anrich­ten können.
    In der Technik gibt es das Verfahren der beschleu­nig­ten Alterung, z.B. Versuche bei erhöh­ter Temperatur durch­füh­ren. Aber am Menschen läßt sich die Zeit nicht raf­fen. Daher sind Aussagen, dass man weiß, dass es kei­ne Langzeit-/Spätfolgen geben wird, schlicht gelogen.

    Zum anlass­lo­sen Geteste, nur um Inzidenz zu machen, braucht man eigent­lich nichts mehr sagen. Ich bin auch der Meinung, wenn man alle Bürger stän­dig auf irgend­ei­nen will­kür­lich gewähl­ten Virus, Bakterium oder was auch immer prü­fen wür­de, könn­te man fast alle Personen aus dem Verkehr zie­hen, wenn man da genau­so vor­ge­hen wür­de und sich nur auf Laborwerte mit will­kür­lich fest­ge­leg­ten Grenzwerten bezie­hen wür­de, ohne die Person und deren kli­ni­schen Zustand mit einzubeziehen.

  3. Gérard Krause

    Ausgehend von einem Ebola-Ausbruch in Westafrika ent­wi­ckel­te er seit 2014 die Software Surveillance, Outbreak Response Management and Analysis System (SORMAS) zur Überwachung der Ausbreitung von Virus-Krankheiten, die im Rahmen der COVID-19-Pandemie, wäh­rend der er zum Beraterstab der Bundes- und Landesregierungen gehör­te, welt­weit Anwendung fand. 

    https://de.wikipedia.org/wiki/G%C3%A9rard_Krause

    During the COVID-19 pan­de­mic in Germany, Krause joi­ned the advi­so­ry com­mit­tee of the federal government and sta­te premiers. … 

    On 19 April 2021, he doub­ted the bene­fits of the night cur­few from 9:00 p.m. to 5:00 a.m. that was mul­led by the federal government, citing the situa­ti­on in France, whe­re the cur­few had been sidestep­ped through over­night stays after visits out­side of the cur­few times. 

    https://en.wikipedia.org/wiki/G%C3%A9rard_Krause

    Die ers­ten zwei Impfstoffe gegen SARS-CoV‑2, denen die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) eine beding­te Marktzulassung erteilt hat, sind die mRNA-Impfstoffe von BioNTech & Pfizer sowie Moderna. Anders als bei tra­di­tio­nel­len Impfstoffen wird bei die­ser Technologie das Impfantigen nicht direkt ver­ab­reicht. Stattdessen ent­hält der Impfstoff den Bauplan in Form von Einzelstrang-RNA ver­packt in Lipid-Nanopartikeln. Die Bauanleitung in den Corona-Impfstoffen kodiert das Spike-Protein auf der Virus-Oberfläche.

    Diese Boten-RNA (eng­lisch: mes­sen­ger RNA, mRNA) wird im Zytoplasma in Proteine über­setzt. Ein Teil der in Zellen her­ge­stell­ten Spike-Proteine wird von Antigen-prä­sen­tie­ren­den Zellen auf der Zelloberfläche prä­sen­tiert und von ande­ren Immunzellen als fremd erkannt. Dies löst eine Immunreaktion aus, bei der Antikörper und zyto­to­xi­sche T‑Zellen ent­ste­hen, die spe­zi­fisch gegen das Coronavirus gerich­tet sind.

    Die Impf-mRNA, Lipid-Nanopartikel und Spike-Proteine wer­den inner­halb kur­zer Zeit vom Körper abge­baut. Die Antikörper und Spike-reak­ti­ven Immunzellen sind jedoch min­des­tens über meh­re­re Monate aktiv. Daten über einen län­ge­ren Zeitraum lie­gen bis­her nicht vor. 

    Zu Bedenken, dass mRNA-Impfstoffe zu Änderungen des Genoms füh­ren, kom­men­tiert Prof. Carlos A. Guzmán: "Der RNA-Impfstoff hat kaum eine Chance, unser Genom zu ver­än­dern. In extrem weni­gen Zelltypen und Situationen (z. B. Keimzellen) gibt es gene­ti­sche Elemente, die das Enzym Reverse Transkriptase kodie­ren. Dieses Enzym ist in der Lage, mRNA in cDNA umzu­schrei­ben, sodass es zwar theo­re­tisch mög­lich ist, dass eine von der­sel­ben Zelle pro­du­zier­te mRNA (und davon gibt es hun­dert­tau­sen­de) oder von außen ein­ge­führ­te mRNA in cDNA umge­schrie­ben wer­den kann, die­ses System arbei­tet aber mit einer unglaub­lich schlech­ten Effizienz. In den Zellen, in die die mRNA durch eine Impfung gelangt, fin­den die­se Vorgänge hin­ge­gen in der Regel nicht statt. Tatsache ist auch, dass die ange­spro­che­nen Mechanismen bereits bei Abwesenheit des Impfstoffes statt­fin­den und ein mRNA-Impfstoff sol­che Mechanismen nicht beein­flus­sen kann." 

    Wie RNA-Impfungen funk­tio­nie­ren, erklärt auch der „Klar soweit?“-Comic der Helmholtz-Gemeinschaft. 

    (…)

    Beteiligte Gruppen 

    Bioinformatik der Infektionsforschung: Prof. Dr. Alice McHardy
    Chemische Biologie: Prof. Dr. Mark Brönstrup
    Einzelzellanalyse: Dr. Antoine-Emmanuel Saliba
    Epidemiologie: Prof. Dr. Gérard Krause 
    Experimentelle Infektionsforschung: Prof. Dr. Ulrich Kalinke
    Labor der bio­lo­gi­schen Schutzstufe 3: Dr. Susanne Talay
    Rekombinante Proteinexpression: Dr. Joop van den Heuvel
    System-Immunologie: Prof. Dr. Michael Meyer-Hermann
    Vakzinologie und ange­wand­te Mikrobiologie: Prof. Dr. Carlos A. Guzmán
    Virale Immunmodulation: Prof. Dr. Melanie Brinkmann
    Virale Immunologie: Prof. Dr. Dr. Luka Cicin-Sain 

    https://www.helmholtz-hzi.de/de/aktuelles/thema/coronavirus-sars-cov‑2/covid-19-impfung/

    01.12.2020

    KLAR SOWEIT? Wie funk­tio­niert eigent­lich … eine RNA-Impfung? 

    https://blogs.helmholtz.de/augenspiegel/2020/12/klar-soweit-80/

    01.08.2011

    Wie sich Infektionskrankheiten in der Bevölkerung aus­brei­ten und wie man ihrer Verbreitung gegen­steu­ern kann: Diese Fragen beschäf­ti­gen Prof. Gérard Krause, einen der füh­ren­den Epidemiologen in Deutschland. Krause, der als Experte des Robert-Koch-Instituts (RKI) in Berlin tätig ist, betreut von jetzt an auch neue wis­sen­schaft­li­che Projekte in Braunschweig und Hannover. Sein Ziel: Die Verbreitung und den Verlauf infek­tiö­ser Erkrankungen in gro­ßen und lang­fris­ti­gen Kohorten-Studien zu ergrün­den. Dafür hat das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig Krause zum Leiter einer neu geschaf­fe­nen Abteilung beru­fen. Zugleich wird er als Professor für Infektionsepidemiologie an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) wir­ken. Seine Tätigkeit als Abteilungsleiter am RKI wird Krause wei­ter­hin ausüben. 

    In Braunschweig und Hannover wird Krause grund­le­gen­de Fragen zu epi­de­mi­schen Verläufen und ihren Auswirkungen auf die Bevölkerung bear­bei­ten. Seine Abteilung „Epidemiologie“ will mit ihren Erkenntnissen eine soli­de Basis schaf­fen für kon­kre­te Impfempfehlungen, Hygienekonzepte im Krankenhaus, Maßnahmen der Lebensmittelsicherheit sowie den Infektionsschutz im öffent­li­chen Gesundheitsdienst. 

    Als Leitender Infektionsepidemiologe des Robert-Koch-Instituts (RKI) forsch­te Krause zum Beispiel den Ursprüngen des EHEC-Ausbruchs im Frühsommer 2011 nach und konn­te den Verzehr von Sprossen als Infektionsursache identifizieren. 

    https://www.helmholtz-hzi.de/de/aktuelles/news/news-detail/article/complete/epidemiologe-gerard-krause-leitet-neue-abteilung-am-hzi/

    Neben Professor Christian Drosten und Professor Alexander Kekulé erklä­ren ins­be­son­de­re die Forscher des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig den Menschen in Deutschland die viro­lo­gi­schen und epi­de­mio­lo­gi­schen Seiten des Coronavirus. Die Professoren Melanie Brinkmann, Michael Meyer-Hermann und Gérard Krause dis­ku­tie­ren in Talkshows, geben Interviews und ste­hen für Statements zur Verfügung, die auch die Politik in ihren Entscheidungen beein­flusst. Susanne Thiele ist seit 2015 die Pressesprecherin des HZI. Im Interview spricht sie dar­über, wie sie die Experten für Medienauftritte vor­be­rei­tet, wie das Coronavirus ihre Arbeit ver­än­dert und was die Anforderungen an Wissenschaftskommunikation sind. 

    https://www.kom.de/medien/es-ist-die-spannendste-zeit-meiner-karriere/

    SORMAS-ÖGD

    https://www.sormas-oegd.de/

    STOP COVAX ◦ Stoppt den unnö­ti­gen und gefähr­li­chen gen­the­ra­peu­ti­schen Großversuch COVAX soge­nann­ter Impfungen gegen das Coronavirus.

  4. Wie wür­den Leute dar­auf reagie­ren, wenn wir in Zukunft die Geburtenrate nicht mehr an der Zahl der Entbindungen fest­mach­ten, son­dern an der Zahl der posi­ti­ven Schwangerschaftstests?

  5. Zur Frage des see­li­schen und des gesell­schaft­li­chen Gleichgewichtes in der Corona-Krise

    Es gibt aktu­ell Grund zur Sorge, dass vie­les im „Corona-Management gewal­tig aus dem Ruder läuft. Es gibt aber auch Licht am Ende des Tunnels und Zukunftshoffnung. So scheint es.
    Persönlich ver­ste­he ich mich nicht als Impfgegner. Und die Gefahren durch das Virus zu ver­harm­lo­sen liegt mir fern. Dass für mich den­noch eine Impfung nicht infra­ge kommt, ergibt sich aus mei­ner Biographie.
    Ines Kanka spricht in ihrem Beitrag: „Zeit im Zeichen der Waage“ in der Zeitschrift „Wegweiser ANTHROPOSOPHIE in Österreich“ im Blick auf die Corona-Krise von der Notwendigkeit einer moder­nen Kunst im Wägen und Gestalten mit der „michae­li­schen Kraft der Waage“. Sie führt dann unter ande­rem dazu aus:

    „Draußen for­dert die Zeit von uns heu­te mehr denn je die Waage-Qualität des Ausbalancierens im Hinblick auf ein neu­es sozia­les Gleichgewicht.
    Da es noch kei­ne Rezepte zum Umgang mit den Herausforderungen von Corona gibt, brau­chen wir also Erfindungsgeist beim Betreten die­ses Neulands: Doch statt nach Entweder-Oder-Lösungen müs­sen wir ver­stärkt in Richtung eines Sowohl-Als-Auch suchen, nach Lösungen, die noch wei­te­re Dimensionen inte­grie­ren. Und sind wir nach­sich­tig mit uns: wir wis­sen alle noch nicht wie es geht. … Ziehen wir daher nicht in den Kampf gegen uns Menschen, unter­stel­len wir ein­an­der nicht böse Absichten, Verantwortungslosigkeit, Fremdgesteuertsein und der­glei­chen, von dem wir uns selbst frei wäh­nen. Setzen wir statt­des­sen auf den Willen zum Guten und das krea­ti­ve Potenzial in jedem Menschen. Und bau­en wir gleich­zei­tig sol­che sozia­le Strukturen und Prozesse in unse­rer Gesellschaft auf, in denen eine Vielfalt und Breite an Ideen zur Lösung unse­rer sozia­len Probleme eine Wirksamkeit ent­fal­ten kann.“
    Ziehen wir also nicht in den Kampf gegen die Menschen, für die „die michae­li­sche Kraft der Waage“ eine Fähigkeit ist, die erst in der Zukunft erar­bei­tet wer­den müss­te. Stattdessen auf den guten Willen zu set­zen ent­hebt uns aller­dings nicht von der Pflicht: „sanft­mü­tig mah­nend“ oder „kri­tisch don­nernd, iro­nisch oder pole­misch, mit der Faust auf den Tisch schla­gend“ je nach Temperament, klar zu benen­nen, wo, wie und war­um etwas aus dem Ruder läuft und in Schieflage gerät und beginnt die Menschen zu schä­di­gen und nicht mehr zu för­dern. Sind wir an die­sem kri­ti­schen Kipp-Punkt angekommen?
    In der Schieflage vie­ler Medien sind die Tugenden der Ästhetik und frei­las­sen­der infor­ma­ti­ver Berichterstattung von der Waagschale „run­ter­ge­rutscht“. Eine pro­fun­de Vermittlung über Sachvehalte lässt sehr zu wün­schen übrig und wird pha­sen­wei­se im Fünfminutentakt unter­bro­chen vom Pieksen einer Nadel, jen­seits jeden guten Geschmacks – ohne jede Diskretion, voye­ris­tisch und unter Verletzung der Intimspäre. Das wirkt als Dauerberieselung nach­al­tig aufs Unterbewusstsein und dient nicht der Erkenntnis! Wo und wann sol­ches in Werbeagenturen „unter der Geldherrschaft“ erübt wor­den ist, mag sich jeder sel­ber beantworten.
    Auch das offi­zi­el­le Corona-Management in Deutschland hat­te bereits mit einer gewis­sen Schieflage begon­nen, die das Gleichgewicht schon ver­lo­ren hat­te: Dies trat in der Taktik zu Tage, die Bürger zum genü­gen­den Ernstnehmen der Coronagefahren moti­vie­ren zu wol­len durch Mobilisierung von Angst.
    Verängstigung ange­sichts dro­hen­der oder tat­säch­li­cher schwe­rer Erkrangung ist the­ra­peu­tisch gese­hen kon­tra­pro­duk­tiv, kann wie ein Brandbeschleuniger im Krankheitsverlauf wir­ken. Das könn­te eigent­lich jeder wis­sen, der schon ein­mal etwas von psy­cho­so­ma­ti­schen Krankheitsursachen gehört hat.
    „Denn Gott hat uns nicht einen Geist der Furchtsamkeit gege­ben, son­dern einen Geist der Kraft, der Liebe und weis­heits­vol­ler Lebensgestaltung.“ (2. Brief des Paulus an Thimetheus)
    Und ob die ver­ord­ne­ten Maßnahmen mehr Leben ret­ten als ihre see­li­schen und öko­no­mi­schen Begleiterscheinungen als Kolateralschäden an Leben kos­ten, dar­über lässt sich bei­der­seits mit bes­ten Argumenten treff­lich strei­ten. Die Folge sol­cher bis­he­ri­ger Schieflagen: Die Gesellschaft spal­tet sich immer mehr in zwei Lager, die sich fas­sungs­los agres­siv gegen­über ste­hen und into­le­rant gegen­sei­tig beschul­di­gen und jede Dialogfähigkeit schein­bar ver­lo­ren haben. Die Anfangsschieflage zeigt ihre Folgen und setzt sich in man­cher Hinsicht fort:
    Den bis dato hör­ba­ren Versicherungen der Amts- und Verantwortunhsträger, dass die freie Impfentscheidung gewähr­leis­tet und kei­ne Zwangsimpfung beab­sich­tigt sei, scheint es aktu­ell weit­ge­hend die Sprache ver­schla­gen zu haben.
    In der Euphorie dar­über, dass die „gelock­down­ten“ Freiheiten ang­sichts sin­ken­der Inzidenzzahlen „zurück­ge­ge­ben“ wer­den, droht eine Mehrheit zu über­se­hen und zu ver­schla­fen, dass eine rote Linie zur Zwangsimpfung über­schrit­ten wür­de, wenn eine Minderheit von ver­mut­lich immer­hin eini­gen Millionen Mitbürgern von die­sen „Freiheiten“ aus­ge­schlos­sen blie­be. Nämlich alle die, die kei­nen Impfpass haben oder situa­ti­ons­be­dingt gera­de kei­nen Schnelltest machen kön­nen oder schlicht und ergrei­fend „kei­nen Bock“ mehr dar­auf haben, zum 78. Mal einen Schnelltest zu machen, nur weil sie in einem Restaurant an einem Tisch Platz neh­men wol­len. Soweit wird wird es im rea­len Leben wohl nicht kom­men. Aber ent­spre­chen­den rea­len Absichten muss aus der Zivilgesellschaft ent­ge­gen­ge­wirkt wer­den. Die Einführung eines inter­na­tio­na­len Impfausweises für die­je­ni­gen, die ihn haben wol­len, scha­det nie­man­den, solan­ge die ande­ren ohne einen sol­chen nicht benach­tei­ligt wer­den. Sie vor Benachteiligungen zu schüt­zen ist Pflicht der Amtsträger in der „Politik“, die einen Eid aufs Grundgesetz geschwo­ren haben.
    Es gibt gute Gründe sich imp­fen zu las­sen, so mei­nen vie­le und gute Gründe sich nicht imp­fen zu las­sen, mei­nen auch nicht weni­ge. Andere war­nen ein­dring­lich, auch mit guten Gründen: in die­sem Falle einer nie dage­we­se­nen Problemlage sei­en von einer Verimpfung mit einem syn­the­ti­schen Gentechnikprodukt, kata­stro­pha­le, irrever­si­ble Schädigungen der Menscheit zu befürch­ten, auch wenn es in vie­len ande­ren her­kömm­li­chen Fällen schwe­rer Erkrankungen, sinn­voll gewe­sen sein mag, zu impfen.
    Das sind Meinungen – wo liegt die Wahrheit? Sie zu erar­bei­ten liegt an uns!
    Der Mensch ist ein geis­tig phy­si­ches Gesamtwesen. Und für sei­ne Gesunderhaltung ist die moder­ne Medizin einer­seits ein Segen mit ihren Diagnosemöglichkeiten und Möglichkeiten der Mikrochirurgie usw. usf. . Aber ande­rer­seits bedarf es auch alter­na­ti­ver Diagnose- und Therapiemöglichkeiten, geschöpft aus einer Erkenntnis von Geist und Seele. Der Werkzeugkasten der Schulmedizin wird es allein nicht rich­ten, wenn es um den „gan­zen Menschen“ geht. Und um die­sen geht es bei der Pandemie der aktu­el­len Virenerkrankungen, der Pandemie der Angst und der Pandemie einer schlei­chen­den mora­li­schen Verwahrlosung.
    Ein Paradigmenwechsel ist, fäl­lig, je eher des­to bes­ser (und nicht erst nach dem 4., 5. oder 6. Lockdown): dass das bis­he­ri­ge Coronakrisenmanagement ergänzt wer­de mit Maßnahmen einer alter­na­ti­ven Salutogenese, die mit öffent­li­chen Mitteln eben so zu för­dern wäre wie die Entwicklung der Vakzime.
    Die medi­zi­ni­sche Frage, wie Immunität wirk­lich ent­steht, ist sehr kom­pli­ziert und umstrit­ten, eben weil wir von phy­si­schen und geis­tig-see­li­schen Faktoren aus­ge­hen müssen.
    Eine Veröffentlichung von Ärzten aus der Schweiz legt nahe, dass wir uns von bis­he­ri­gen Denkgewohnheiten ver­ab­schie­den müssen:

    „Die jet­zi­ge wis­sen­schaft­li­che Datenlage lässt kei­nen Zweifel dar­an: es gibt nicht­ge­impf­te Immune und geimpf­te Nichtimmune. Wenn es über­haupt einen wis­sen­schaft­li­chen Grund geben soll­te, eine Unterscheidung zwi­schen Immunen und Nichtimmunen machen zu wol­len, dann müss­te dies ein beweis­taug­li­cher immu­no­lo­gi­scher Test sein, wel­chen es nach unse­rem medi­zi­ni­schen Verständnis nie wird geben kön­nen, weil es nie ein „ganz-immun“ oder „gar­nicht-immun“ son­dern nur ein Kontinuum ohne kla­re Abgrenzungen geben wird.“ 

    Diese Ärzte der „Praxis für Allgemeinmedizin – Muotathal CH“ sind mei­nes Wissens seri­ös und glaub­wür­dig. Und ihre Argumentation erscheint nachvollziehbar.
    Was not tut inner­halb der Bundesrepublik Deutschland, ist wach zu sein und ein­zu­ste­hen für die Therapifreiheit des mün­di­gen Patienten, nicht im „Kampf gegen Feinde“, son­dern, falls nötig, durch Beschreiten des Rechtsweges oder durch die demo­kra­ti­schen Verfahrenswege, die das Grundgesetz trotz aller Unkenrufe und „Notbremsen“ des Infektionsschutzgesetzes garan­tiert. Es garan­tiert auch den Weg, dass sich unser Staatswesen von dem rela­tiv zahn­lo­sen Tiger einer nur par­la­men­ta­ri­schen Demokratie zur vol­len Volkssouveränität wei­ter ent­wi­ckeln kann. Wenn das eine signi­kan­te Zahl von Mitbürgern wirk­lich woll­te und mit Bürgeraktionen nach­hal­tig ein­for­der­te, wäre die Einführung von Bundesvolksabstimmungen nur noch eine Frage der Zeit, die viel­leicht kür­zer ist als gedacht, wenn genü­gend „Politikverdrossene“ erst ein­mal die Ärmel auf­krem­peln und ins Tun kämen. Dazu kann man „anstif­ten“ (z. B. im Sinne: „Der Kaiser stif­te­te ein neu­es Kloster“) – viel­leicht beson­ders gut in Corona-Zeiten!

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