Muß Polizei jetzt wahre Demo-Zahlen nennen? Tagesschau mit kafkaeskem "Faktencheck"

Unter Berufung u.a. auf das Informationsfreiheitsgesetz hat heu­te der Herausgeber des Magazins "Rubikon" beim Berliner Polizeipräsidenten eine Anfrage zu den Teilnehmerzahlen der Demonstration von Sonntag gestellt.

Unter Androhung gericht­li­cher Maßnahmen soll die Polizei bis heu­te bzw. mor­gen offen­le­gen, wor­auf sie ihre Zahlenangaben stützt. Verlangt wer­den Luftbilder und Lageberichte sowie Informationen dar­über, wie die Presse an Fehlinformationen über die Auflösung der Demonstration gelan­gen konnte.

Damit wird ver­mut­lich einem kaf­ka­es­ken "Faktencheck" der Tagesschau von heu­te die Grundlage entzogen.

Ein Patrick Gensing, der als "ARD-fak­ten­fin­der" sei­nen Jugendtraum von "irgend­was mit Medien" hat wahr­ma­chen dür­fen, erzählt dort ohne irgend­ei­nen Beweis:

»In den sozia­len Netzwerken tau­chen nun mas­sen­haft Postings auf, in denen ohne Beleg behaup­tet wird, es hät­ten rund 1,3 Millionen Personen an den Protesten teil­ge­nom­men. Der Datenanalyst Philip Kreißel hat bis­lang mehr als 120 Facebook-Gruppen und Profile doku­men­tiert, die ent­spre­chen­de Inhalte ver­brei­ten, dar­un­ter zahl­rei­che Rechtsradikale und Verschwörungsideologen. In ein­zel­nen Beiträgen wird zudem behaup­tet, die Polizei habe eine Teilnehmerzahl von 800.000 Personen bestä­tigt. Eine ent­spre­chen­de Angabe der Polizei exis­tiert aller­dings nicht.

Viele die­ser Profile, Seiten und Gruppen sind bereits wegen der Verbreitung von geziel­ten Falschinformationen auf­ge­fal­len. Dennoch kön­nen sie wei­ter­hin Facebook nut­zen, um zu des­in­for­mie­ren.«

Schlagend auch die­ser Beleg:

»[Ungenannte, AA] Reporterinnen und Reporter berich­ten dem ARD-fak­ten­fin­der hin­ge­gen, sie hal­ten die Angaben der Polizei für rea­lis­tisch, eini­ge gehen von einer etwas höhe­ren Zahlen aus. Keinesfalls sei­en es aber deut­lich mehr gewe­sen, geschwei­ge denn Hunderttausende Menschen oder sogar mehr als eine Million. Bei sol­chen Massen bre­che bei­spiels­wei­se der Verkehr in der gesam­ten City zusammen.«

Doch, einer wird genannt, der rbb-Reporter Olaf Sundermeyer. Der hat am Vormittag "etwa 12.000" gezählt. Was schert es, daß dies eine ande­re Demo war. Denn:

»Auf der Straße zum 17. Juni sei­en es dann gut 20.000 gewe­sen, mög­li­cher­wei­se etwas mehr, sagt Sundermeyer…

Vielmehr war bei den Corona-Protesten ledig­lich die Straße des 17. Juni von der Siegessäule in Richtung Brandenburger Tor gesperrt – und selbst die­ser Abschnitt war nicht ansatz­wei­se durch Menschenmassen gefüllt.«

Ein "Beweisfoto" zeigt den mit Massen gefüll­ten Platz am Großen Stern bei einer frü­he­ren Love Parade. 2001 hat­te die Polizei dort 800.000 BesucherInnen gezählt. Interessiert es den "fak­ten­fin­der", daß die Kundgebung am Sonntag über­haupt nicht am Großen Stern statt­fand? Kümmert es ihn, daß die Polizei den Zugang zum Kundgebungsort "wegen Überfüllung" gesperrt hat­te und sehr vie­le Menschen sich des­halb an ande­ren Orten aufhielten?

Nein, das alles inter­es­siert die Tagesschau nicht. Man käme dann nicht zu dem Fazit

»Damit wer­den gemein­sa­me Feindbilder prä­sen­tiert – mut­maß­lich, um die hete­ro­ge­ne Bewegung aus Rechtsradikalen, Verschwörungsideologen, Impfgegnern, Esoterikern und auch durch die Pandemie ver­un­si­cher­ten Personen mög­lichst zu vereinen.«


Zunächst ein­mal nichts damit zu tun hat ein Bericht der Berliner Morgenpost vom 31.7. unter dem Titel "Martialisches Aufnahmeritual bei der Polizei sorgt für Eklat". Dort ist zu erfahren:

»Bei der Berliner Polizei ist erneut ein Skandal bekannt gewor­den. Wie die Behördenleitung ein­räum­te, muss­ten neue Mitglieder eines Zuges einer Einsatzhundertschaft zur Aufnahme einen Spruch auf­sa­gen, in dem sich auch "ein­zel­ne abwer­ten­de sowie mar­tia­li­sche Passagen fanden"…

Die Polizeiführung erfuhr nach eige­nen Angaben von dem Ritual durch Mitarbeiter. Ein ent­spre­chen­des Video die­ne als Beweismittel. Der sexis­ti­sche Text ist in Teilen in der "BZ" ver­öf­fent­licht. Die Polizei woll­te sich auf Anfrage zum Inhalt nicht äußern.«

Vgl. auch Oops – schief­ge­lau­fen? Hat Polizei 1,3 Mio. für Demo gemeldet?

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