Drosten-Dissertation

Zahl­rei­che Kom­men­ta­re zum Bei­trag Dros­ten-Dis­ser­ta­ti­on unter Ver­schluß? haben ver­sucht, Klar­heit in die­se Ange­le­gen­heit zu bringen.

Inter­es­sant dabei ist ein Hin­weis auf die von der Kul­tus­mi­nis­ter­kon­fe­renz ver­öf­fent­lich­ten "Grund­sät­ze für die Ver­öf­fent­li­chung von Dis­ser­ta­tio­nen". Dort sind Vor­ga­ben zu fin­den, die im vor­lie­gen­den Fall ver­mut­lich nicht ein­ge­hal­ten wurden:

»Der Dok­to­rand ist ver­pflich­tet, eine wis­sen­schaft­li­che Arbeit (Dis­ser­ta­ti­on) schrift­lich anzu­fer­ti­gen und das Ergeb­nis in ange­mes­se­ner Wei­se der wis­sen­schaft­li­chen Öffent­lich­keit durch Ver­viel­fäl­ti­gung und Ver­brei­tung zugäng­lich zu machen…

In ange­mes­se­ner Wei­se der wis­sen­schaft­li­chen Öffent­lich­keit zugäng­lich gemacht ist die Dis­ser­ta­ti­on dann, wenn der Ver­fas­ser neben dem für die Prü­fungs­ak­ten (des Fach­be­reichs, der Fakul­tät) erfor­der­li­chen Exem­plar für die Archi­vie­rung drei bis sechs Exem­pla­re, die auf alte­rungs­be­stän­di­gem holz- und säu­re­frei­em Papier aus­ge­druckt und dau­er­haft halt­bar gebun­den sein müs­sen, unent­gelt­lich an die Hoch­schul­bi­blio­thek ablie­fert und dar­über hin­aus die Ver­brei­tung sicher­stellt durch:

        • Ent­we­der a) die Ablie­fe­rung wei­te­rer Ver­viel­fäl­ti­gun­gen in den Geis­tes- und in den Gesell­schafts­wis­sen­schaf­ten höchs­tens 80 Exem­pla­re, in der Medi­zin, in den Natur- und den Inge­nieur­wis­sen­schaf­ten höchs­tens 40 Exem­pla­re, jeweils in Buch- oder Fotodruck 
        • oder b) den Nach­weis der Ver­öf­fent­li­chung in einer Zeitschrift
        • oder c) den Nach­weis einer Ver­brei­tung über den Buch­han­del durch einen gewerb­li­chen Ver­le­ger mit einer Min­dest­auf­la­ge von 150 Exem­pla­ren; auf der Rück­sei­te des Titel­blatts ist die Ver­öf­fent­li­chung als Dis­ser­ta­ti­on unter Anga­be des Dis­ser­ta­ti­ons­or­tes auszuweisen 
        • oder d) die Ablie­fe­rung eines Mikro­fi­ches und bis zu 50 wei­te­ren Kopien
        • oder e) durch die Ablie­fe­rung einer elek­tro­ni­schen Ver­si­on, deren Daten­for­mat und deren Daten­trä­ger mit der Hoch­schul­bi­blio­thek abzu­stim­men sind.«

Die­se Grund­sät­ze gal­ten 1997, neue­re sind auf der Web­sei­te der KMK nicht aufgeführt.

Wer auch immer da krea­tiv mit der­lei Grund­sät­zen umge­gan­gen sein mag, fest steht: Das Ergeb­nis der Dok­tor­ar­beit wird nicht "in ange­mes­se­ner Wei­se der wis­sen­schaft­li­chen Öffent­lich­keit" zugäng­lich gemacht.

Es sei noch ein­mal betont: Sinn der Fra­ge­stel­lung ist nicht, die wis­sen­schaft­li­che Qua­li­fi­ka­ti­on von Prof. Dros­ten zu bezwei­feln. Es soll­te einer inter­es­sier­ten Öffent­lich­keit aber mög­lich sein, die Arbeit ein­zu­se­hen, ohne sich zuvor einen Licht­bild­aus­weis der Frank­fur­ter Uni­ver­si­täts­bi­blio­thek aus­stel­len zu las­sen und dort anrei­sen zu müssen.


Sie­he auch den Bei­trag Dis­ser­ta­ti­on Chris­ti­an Dros­ten: Kein Drankommen?

7 Antworten auf „Drosten-Dissertation“

  1. Lt. Wiki­pe­dia besteht bei Dis­ser­ta­tio­nen nicht die Pflicht zur Abga­be eines sog. Pflicht­ex­em­plars an die DNB, soweit die Dis­ser­ta­ti­on nicht als Buch ver­legt wurde.
    Übli­che Pra­xis ist es dem­ge­gen­über, dass die Uni­ver­si­täts­bi­blio­the­ken trotz­dem ein Exem­plar an die DNB schicken.
    Ich muss­te sei­ner­zeit bei Eröff­nung des Ver­fah­rens fünf Exem­pla­re ein­rei­chen, drei für die Gut­ach­ter, ein Exem­plar für die Uni-Biblio­thek und eins für DNB.

  2. Viel­leicht bringt das ja was? 

    https://​de​.wiki​pe​dia​.org/​w​i​k​i​/​D​i​s​s​e​r​t​a​t​ion

    Nach der Begut­ach­tung und Abnah­me über­lässt der Ver­fas­ser gemäß der jewei­li­gen Pro­mo­ti­ons­ord­nung der Hoch­schul­bi­blio­thek kos­ten­lo­se Exem­pla­re der Hoch­schul­schrift zur Bestands­auf­nah­me. Ent­we­der über­lässt er der Biblio­thek Druck­ex­em­pla­re oder elek­tro­ni­sche Datei­en. Die Biblio­thek fer­tigt eine Titel­auf­nah­me an und stellt sie online. Jede Online-Dis­ser­ta­ti­on bekommt eine indi­vi­du­el­le URL-Adres­se. Die Natio­nal­bi­blio­thek ver­gibt eben­falls eine so genann­te URN. Ver­lags­häu­ser über­las­sen die bei ihnen erschie­ne­nen Wer­ke übli­cher­wei­se auch der Natio­nal­bi­blio­thek. Dis­ser­ta­tio­nen, die im Selbst­ver­lag erschie­nen sind, über­gibt die Hoch­schul­bi­blio­thek der Natio­nal­bi­blio­thek. Den­noch kommt es bis­wei­len vor, dass bei der Deut­schen Natio­nal­bi­blio­thek kein Exem­plar der jewei­li­gen Dis­ser­ta­ti­on vor­han­den bzw. nach­ge­wie­sen ist.

    Durch die­se Vor­ge­hens­wei­se soll sicher­ge­stellt wer­den, dass dau­er­haft Exem­pla­re der Dis­ser­ta­ti­on in min­des­tens zwei Biblio­the­ken auf­be­wahrt wer­den und zugäng­lich sind. Immer wie­der kur­sie­ren­de Gerüch­te, bestimm­te pro­mi­nen­te Per­so­nen hät­ten ihre Dis­ser­ta­tio­nen „sper­ren las­sen“ oder Anwei­sung gege­ben, sie aus allen Biblio­the­ken zu ent­fer­nen, sind nicht zutref­fend, wie im Ein­zel­fall durch Recher­che in einem Ver­bund­ka­ta­log leicht ermit­telt wer­den kann. Allen­falls kommt es vor, dass die Arbei­ten bekann­ter Per­so­nen von den Biblio­the­ken als Rara klas­si­fi­ziert wer­den um Dieb­stahl oder Beschä­di­gung zu ver­mei­den so dass eine vor­he­ri­ge Anmel­dung zur Ein­sicht not­wen­dig ist.

  3. Durch­sucht man ALLE deut­schen Biblio­theks­ver­bün­de simul­tan im Karls­ru­her Vir­tu­el­len Kata­log (KVK), erhält man ledig­lich die zwei Exem­pla­re der UB Frank­furt. Offen­bar wur­den kei­ne Kopien der gedruck­ten Dis­ser­ta­ti­on in den Hoch­schul­schrif­ten­tausch (an ande­re UBs) gege­ben. Eine (zugäng­li­che) elek­tro­ni­sche Aus­ga­be exis­tiert nicht. Inso­fern völ­lig rich­tig: Das Ergeb­nis der Dok­tor­ar­beit wird nicht "in ange­mes­se­ner Wei­se der wis­sen­schaft­li­chen Öffent­lich­keit" zugäng­lich gemacht.

  4. Aus der Pro­mo­ti­ons­ord­nung des Fach­be­reichs Medi­zin der Johann Woff­gang Goe­the Uni­ver­si­tät Frank­furt am Main::

    2.3 Voll­zug der Promotion
    § 12 Veröffentlichung
    (1) Nach erfolg­rei­chem Abschluss des Prü­fungs­ver­fah­rens hat der/die Doktorand/in die Dis­ser­ta­ti­on in einer vom Fach­be- reich geneh­mig­ten Fas­sung als Buch, als Zeit­schrif­ten­auf­satz, als Bei­trag eines Sam­mel­ban­des, als ver­viel­fäl­tig­tes Ma- nuskript oder in elek­tro­ni­scher Form zu ver­öf­fent­li­chen. Die Ver­öf­fent­li­chung kann gege­be­nen­falls gemein­sam mit ande­ren an der For­schungs­ar­beit betei­lig­ten Wis­sen­schaft­lern geschehen.
    (2) Der/Die Doktorand/in hat unent­gelt­lich die laut Anla­ge 2 für die Prü­fungs­ak­ten des Fach­be­reichs sowie für die Hoch- schul­bi­blio­thek erfor­der­li­chen Pflicht­ex­em­pla­re auf Grund­la­ge der All­ge­mei­nen Bestim­mun­gen der Pro­mo­ti­ons­ord- nun­gen der Johann Wolf­gang Goe­the-Uni­ver­si­tät in ihrer gel­ten­den Fas­sung abzu­lie­fern. Der/Die Doktorand/in über- trägt der Hoch­schu­le das Recht, wei­te­re Kopien der Dis­ser­ta­ti­on her­zu­stel­len und zu verbreiten.
    (3) Wird eine Dis­ser­ta­ti­on von einem gewerb­li­chen Ver­le­ger ver­trie­ben und wird dafür ein Druck­kos­ten­zu­schuss aus öffent­li­chen Mit­teln gewährt, ist eine ange­mes­se­ne Stück­zahl von Exem­pla­ren der Hoch­schul­bi­blio­thek für Tausch- zwe­cke zur Ver­fü­gung zu stellen.

    Ver­öf­fent­li­chungs­pflicht ver­letzt! Ent­zug Doktorgrad?

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