home stories über das Gespann Christian Drosten – Olfert Landt

Von taz bis Tagesspiegel kom­men home sto­ries über den flei­ßi­gen Herrn Landt, der stets einen guten Riecher beim Angebot von Tests in Zeiten von Pandemie hat­te. Niemand fragt, woher der kommt. In der taz liest sich das so, wie man sich das im "Goldenen Blatt" vor­ge­stellt hätte:

»Produzent von Corona-Tests: Firma im Ausnahmezustand

Ein Berliner Unternehmen hat­te als ers­tes welt­weit einen Corona-Test. Ein Riesengeschäft alle­mal – die Motivation ist aber eine andere.

Die meis­ten haben längst Feierabend. Olfert Landt nicht…

20 Uhr. Landt tele­fo­niert noch mit der UN-Weltgesundheitsorganisation WHO. Ein DHL Bote war­tet, bis Dr. Constanze Landt, sei­ne Frau, die letz­ten Kartons ver­schlos­sen hat… 

Warum TIB Molbiol ers­ter war? Er arbei­te mit vie­len Virologen zusam­men, sagt Landt. Sie spe­ku­lier­ten auf­grund der gemel­de­ten Krankheitssymptome früh auf ein Corona-Virus…

Im Februar ver­drei­fach­te sich sein Umsatz von sonst 1,5 auf 4,5 Millionen Euro. "Aber das Geld wäre kei­ne Motivation. Finanziell haben wir aus­ge­sorgt, da wir die letz­ten 30 Jahre immer schwar­ze Zahlen geschrie­ben habe. Aber wir sehen uns in der Verantwortung. Und es macht wahn­sin­nig viel Spaß“, erzählt der Biochemiker. "…

„Wenn das Virus kei­ne neu­en Opfer fin­det, läuft es sich tot. Sonst kann das furcht­ba­re Konsequenzen haben“, sagt Landt und erin­nert an die spa­ni­sche Grippe, die Ende des Ersten Weltkrieges aus­brach und Millionen dahinraffte…

Als Student Firma gegründet

Viel län­ger ist die Gründung der Firma her: Damals syn­the­ti­sier­ter [so im Original] er und ein Kumpel, bei­de noch Doktoranden, an der Berliner Universität Genschnipsel und belie­fer­ten die Nachbarinstitute. Kostenlos. Aber war­um das Material nicht ver­kau­fen? „Ohne Businessplan haben wir zwei dann die ers­te Maschine gekauft“, erin­nert er sich. In drei Monaten hat­ten sie das Geld für die ers­te Maschine drin. Dann plün­der­te Landts „Partner“ die Kasse. „Das war ein blu­ti­ges Ende. Ich muss­te ihm die hal­be Firma abkau­fen.“ 1994 fing er bei null an. „Mein Doktor habe ich dann nie abge­ge­ben“, zuckt er die Achseln…

Um kurz vor 10 prus­ten die Labormaschinen wei­ter. Die Straßen sind ver­las­sen. Constanze Landt sitzt im Büro. Auch Olfert Landt macht sich wie­der an die Arbeit. Sicher noch bis Mitternacht.«

Geld verdienen voll unethisch

Bereits eine Woche zuvor bestand für die taz kein Grund, sich zu wun­dern. Da erzähl­te Landt ihr auf die Frage:

»Wer sind denn Ihre Kunden?
Es gibt nur rund ein Dutzend Anbieter des Tests. Deshalb bestel­len bei uns Virologielabore aus aller Welt.

Woher wuss­ten die denn, dass Sie den Test schon haben?
Wir haben den Ruf. Wir waren schon 2003 bei der Sars-Pandemie mit die Ersten, spä­ter auch bei der Geflügelpest und der Schweinegrippe. Direkt als wir den Test fer­tig hat­ten, haben wir Kits nach Hongkong und Taiwan geschickt, weil wir wuss­ten, dass es da Fälle gibt…

Was kos­tet denn ein Kit für den Coronavirus-Nachweis?
Unsere Test-Kits kos­ten im Prinzip alle gleich, egal ob für SARS-CoV‑2 oder den Norovirus. Also um die 2,50 Euro.

Aber für so ein extrem nach­ge­frag­tes Produkt könn­ten Sie doch viel mehr verlangen …
Machen wir aber nicht. Das fän­de ich unethisch.«

Der Tagesspiegel ergänzt noch MERS von 2012, alles Fälle, bei denen die Kunden wuß­ten "Landts Firma ist eben schnell und gründ­lich". Und das Fachmagazin LaborJournal fügt hinzu:

»2011 bot das Unternehmen gemein­sam mit Roche einen Assay für EHEC (Enterohaemorrhagic Escherichia coli) an, … seit 2016 für das Zika-Virus.«

Wieviel denn nun pro Test?

Die Zeitungen kom­men nicht auf die Idee mit­zu­rech­nen. Sie über­neh­men begeis­tert die Aussage von Landt, er neh­me pro Test 2,50 Euro ein. Wenn Labore bis zu 300 Euro für einen Test neh­men, dann kann es gar nicht an ihm lie­gen. 500.000 Tests am Tag kön­ne er pro­du­zie­ren, sagt Landt der taz. Da käme ein schö­nes Sümmchen für einen Tag mit Überstunden zusam­men. Im Guardian ist die Rede von mehr als 4 Millionen Tests bis zum 12.3.

Am glei­chen Tag, der auch der des ers­ten taz-Interviews ist, sprach Landt im Deutschlandfunk von 10 Euro pro Test:

»Olfert zufol­ge ist es auch nicht teu­er, Coronatests zu pro­du­zie­ren. Wenn man sie in gro­ßen Mengen her­stellt, lägen die Materialkosten bei gut fünf Euro. "Ich behaup­te, man kann die­sen Test, wenn man es im gro­ßen Maßstab macht, für unter zehn Euro anbieten."«

Und der Tagesspiegel glaubt auf's Wort:

»Test-Kits für die Weltgesundheitsorganisation WHO gebe er daher für den hal­ben Preis ab. Und beson­ders arme Staaten, die "in ange­mes­se­nem Umfang" bei ihm bestel­len, belie­fer­te er sogar gratis.«

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung nennt den Betrag von 59 Euro für die Abrechnung eines "Nukleinsäurenachweis des beta-Coronavirus SARS-CoV‑2".

Die Deutsche Welle steht der taz in nichts nach:

»Es ist ein Telefonanruf in den Maschinenraum die­ser Covid-19-Krise: Im Hintergrund klickt und schnauft es mecha­nisch. Der Unternehmer Olfert Landt steht in sei­nem Produktionsraum. Es ist der drit­te Anrufversuch über meh­re­re Tage, dann hat er Zeit – spät am Abend, es ist schon nach 22 Uhr.

Seit Wochen geht das jetzt so: Durcharbeiten bis um Mitternacht…

Er kommt ja kaum noch raus. Seine Maschinen ste­hen kaum noch still. 15.000 Test-Kits pro Woche, die für 1,5 Millionen Tests genutzt wer­den kön­nen. Im Kampf gegen das Virus…

Als zum Jahreswechsel klar wur­de, wel­ches Ausmaß der Corona-Ausbruch in China annimmt, hat er sich mit den Virologen des Berliner Universitätsklinikums Charité zusam­men­ge­setzt. Sie hät­ten die anfangs spär­li­chen Informationen aus der Corona-Region Wuhan in China studiert.

Als dann klar war, dass es ein neu­es Coronavirus ist, hat Landt sei­ne Produktion von Tests auf den Erreger der Covid-19-Krankheit umgestellt…

Und er hat vor­ge­sorgt: Die Vorprodukte sei­en für meh­re­re Monate auf Lager…

Während am Telefon im Hintergrund die Geräusche sei­ner Maschinen noch ein­mal lau­ter wer­den, erzählt Landt, wie er auf die Genehmigung sei­nes Corona-Testverfahrens war­ten muss­te. "Zwischenzeitlich war der Sachbearbeiter für Wochen krank. Eine Vertretung gab es nicht." Da star­ben in China rei­hen­wei­se Patienten. Zeitgewinn für das Virus.

Hilfe vom Nachbarn

Als dann vor weni­gen Tagen Deutschland die Notbremse zog und Schulen und Kindergärten schloss, konn­ten man­che sei­ner Mitarbeiter nicht zur Arbeit kom­men. Die neu geschaf­fe­nen Betreuungsplätze für Krankenhausbeschäftigte soll­ten für die TIB-Molbiol-Mitarbeiter nicht zur Verfügung ste­hen. Obwohl sie hel­fen, die Infektionskette zu durch­schla­gen. Noch ein Punkt für das Virus.

Und den­noch: Deutschland kann in der Corona-Krise auch ganz ande­re Geschichten pro­du­zie­ren. "Ich bin unend­lich dank­bar", sagt Olfert Landt und meint sei­nen Nachbarn, "eine Event-Agentur" wie so vie­le in Berlin. New Wave heißt die Berliner Firma, die irgend­wie alles macht, was man mit der Party-Hauptstadt Europas asso­zi­iert. Doch das Virus hat alle Partys been­det. "Da hat er mir ange­bo­ten, dass sei­ne Mitarbeiter bei uns arbei­ten könn­ten." Ganz ohne büro­kra­ti­schen Aufwand, ein­fach über die Straße rüber. Jetzt packen die Kreativen gemein­sam mit dem Unternehmer die Corona-Tests in Tüten ein. Und so sieht er jetzt aus – der Kampf gegen das Virus in einem klei­nen Berliner Maschinenraum der Covid-19-Krise.«

Bei all dem vie­len Arbeiten rund um die Uhr paßt man bei einem Interview schon mal nicht auf und sagt dem Deutschlandfunk sol­che Sachen:

»Wir machen alles, was Kunden von uns erwar­ten. Das sind vor allem Infektionserreger wie Influenza, Noro-Virus oder Salmonella. Auch sexu­ell über­trag­ba­re Krankheiten, wir haben ein paar Sachen, die Richtung Krebs gehen.«

Die Lobhudelei des "Journalisten" geht weiter:

»Olfert Landt ist Geschäftsführer der klei­nen Berliner Biotech-Firma TIB Molbiol Syntheselabor GmbH, und er hat im wahrs­ten Sinne des Wortes alle Hände voll zu tun.

"Das ist in klei­nen Firmen so, da packt der Chef auch sel­ber an. Fertige Test-Kits. Hier für Bratislava, ich habe vie­le für Spanien, für Polen. Heute nur für Europa und Deutschland."…

Pandemien als Umsatztreiber

… Olfert Landt hat in den ver­gan­ge­nen Jahrzehnten schon meh­re­re Virus-Ausbrüche beruf­lich beglei­tet. Dadurch sind lang­jäh­ri­ge Geschäftsbeziehungen beson­ders nach Asien gewachsen…

Im Januar schon alarmiert

In der Lokalpresse wur­de TIB Molbiol bereits als Berlins der­zeit gefrag­tes­tes Unternehmen titu­liert. Und in der Tat: Olfert Landt scheint ein beson­de­res Gespür dafür zu haben, wel­cher Virustest unmit­tel­bar gebraucht wird. Er hat, wie die meis­ten Experten, im Januar zum ers­ten Mal über das neue Corona-Virus gehört und dann schnell gehandelt:

"Das wer­den Sie immer bei klei­nen Unternehmen fest­stel­len, dass die­se fle­xi­bler sind. Weniger Verwaltung, kur­ze Entscheidungsprozesse."…

Start-up der frü­hen Jahre

Olfert Landt hat vor 30 Jahren TIB Molbiol gegrün­det. Aus einem Universitätsprojekt her­aus, in einer Zeit als es das Wort Start-up noch gar nicht gab:

„Ich war Doktorand in der Bio-Chemie – also Protein-Engineering. Und wir brauch­ten die­se Oligonukleotide um Proteine zu ver­än­dern. Und dann haben wir im Institut so eine Maschine besorgt, und dann hat­ten wir plötz­lich sehr vie­le Freunde. In der Medizin, im Max-Plack-Institut, die wir ein­fach mit ver­sorgt haben. Da schien so etwas wie ein Markt zu sein. Dann haben wir eine Firma auf­ge­macht und haben eben die­se Produkte angeboten.“

Und seit­dem läuft das Geschäft. Seit Jahresbeginn jedoch mehr denn je. Vor allem die Logistik ist aktu­ell eine Herausforderung. Geschäftsführer Landt hetzt regel­recht durch die Gänge. Tür auf, Tür zu.

In einem Raum wird es lau­ter, hier sitzt sein Sohn, der der­zeit, wie der Rest der Familie auch, aus­hilft. An der Labelmaschine wer­den Mini-Etiketten direkt auf die Teströhrchen geklebt. Bis vor kur­zen noch Handarbeit, nun vollautomatisch…

Der Geschäftsführer sieht müde aus: Trotz einer 100-Stunden-Woche ver­sucht er der­zeit, aus­rei­chend Schlaf zu bekom­men. Nicht ein­fach, sagt er, aber:

"Was soll ich sonst machen? Verreisen? Geht gera­de nicht. In die Oper gehen? Geht gera­de nicht. Also die meis­ten Dinge könn­te man ohne­hin nicht machen. Das ist tragbar."«

In die­sem Interview vom 22.5. ist bereits die Rede von 3 Millionen Test-Kits.

Ein Schmuseartikel der Neuen Zürcher Zeitung wird beschrie­ben im Beitrag Wirtschaftliche Interessen des Prof. Drosten (II).

(Hervorhebungen nicht in den Originalen. Der Beitrag wur­de um 18:33 gering­fü­gig redigiert.)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.