Schweriner OB:
"Zeit, über die Aufhebung von Corona-Beschränkungen zu diskutieren"

Auf schwerin.de ist am 29.7. zu lesen, von einem, der weiß, wovon er spricht*:

»Oberbürgermeister hin­ter­fragt stra­te­gi­sches Ziel der Pandemiebekämpfung
„Wo ist das neue stra­te­gi­sche Ziel der Bundesregierung in der Pandemiebekämpfung und für die vier­te Welle?“ Diese Frage stellt Schwerins Oberbürgermeister Dr. Rico Badenschier. 

„Wir haben in einer unglaub­li­chen gesell­schaft­li­chen Kraftanstrengung unser stra­te­gi­sches Ziel erreicht, das Gesundheitssystem vor der Überlastung zu bewah­ren und damit unzäh­li­ge Menschenleben geret­tet. Der wei­te­re Verlauf der Pandemie liegt sowohl für die älte­ren Jahrgänge, denen ein Impfangebot unter­brei­tet wer­den konn­te, als auch für die jün­ge­ren Jahrgänge, die nur äußerst sel­ten schwer erkran­ken, im Bereich des indi­vi­du­el­len Lebensrisikos. Deswegen ist es an der Zeit, über die Aufhebung von Corona-Beschränkungen zu dis­ku­tie­ren, statt mit Impfpflicht, Schulschließungen oder neu­en Lockdowns unver­hält­nis­mä­ßi­ge Kollateralschäden zu riskieren.“

Zu Beginn der Pandemie Anfang 2020 war das unum­strit­te­ne, inter­na­tio­na­le Ziel: „flat­ten the cur­ve“ – die abso­lu­te Zahl der akut Infizierten gering hal­ten, damit die Intensivstationen nicht über­las­tet wer­den. Dazu dien­ten die Infektionsschutzmaßnahmen der ers­ten, zwei­ten und drit­ten Welle. Durch die­se Maßnahmen konn­te die ers­te Welle früh gebro­chen wer­den, in der zwei­ten Welle unzäh­li­ge Leben in der Hochrisikogruppe der Älteren geret­tet und in der drit­ten Welle die Intensivstationen vor der Überlastung geschützt werden.

„Eine vier­te Welle steht unmit­tel­bar bevor und ein Blick in die Nachbarländer und auf die Erfahrungen mit der alpha-Variante ver­heißt, dass wir sie nicht auf­hal­ten kön­nen“, so Dr. Badenschier. „Die Lage ist aber heu­te eine gänz­lich ande­re. Es steht aus­rei­chend Impfstoff zur Verfügung. Jeder Erwachsene, der sich indi­vi­du­ell schüt­zen möch­te, kann dies tun. Insbesondere die Risikogruppen unse­rer Gesellschaft haben ein Impfangebot erhal­ten. Für die Gruppe der 0 ‑11-jäh­ri­gen, für die kein Impfstoff zur Verfügung steht, ist die Wahrscheinlichkeit einer COVID-19-Erkrankung sehr gering. Selbst für die 12 – 17-jäh­ri­gen, für die zwei mRNA-Impfstoffe zuge­las­sen sind, spricht die STIKO kei­ne Impfempfehlung aus. Oder: das Impfrisiko für die­se Gruppe wird höher als das Erkrankungsrisiko ein­ge­schätzt. Damit ent­fällt zumin­dest für die 0 – 17-jäh­ri­gen die indi­vi­du­el­le Notwendigkeit, sie vor einer Infektion zu schüt­zen. Somit gibt es weder für die älte­re Kohorte, die ein indi­vi­du­el­les Impfangebot hat, noch für die jün­ge­re Kohorte, für die eine Infektion als unge­fähr­li­cher als eine Impfung ein­ge­schätzt wird, einen Grund, für die Verhinderung einer SARS-CoV2-Infektion wei­ter­hin Grundrechte ein­zu­schrän­ken. Eine Herdenimmunität ist mit einer Durchimpfung der >18-jäh­ri­gen nicht zu errei­chen. Eine Durchseuchung der jün­ge­ren Alterskohorte ist für eine Herdenimmunität unver­meid­lich. Empirisch bestä­tigt dies Großbritannien: dort sin­ken der­zeit die Inzidenzzahlen wie­der, das Gesundheitssystem ist trotz Inzidenzzahlen von rund 500 nicht über­las­tet wor­den. Die Impfrate in der Bevölkerung ist mit der in unse­rem Land ver­gleich­bar. Long Covid? Reinhard Berner von der TU Dresden hat in einer Studie mit 1500 Kindern her­aus­ge­ar­bei­tet, dass die Häufigkeit des Krankheitsbildes über­schätzt wer­de und nicht die Gefahren eines wei­te­ren Lockdowns für die psy­chi­sche und phy­si­sche Entwicklung der Kinder und Jugendlichen auf­wie­ge. Provozieren wir dann nicht eine Escape Variante? Die Varianten (alpha, del­ta) sind des­we­gen besorg­nis­er­re­gend, weil sie infek­tiö­ser sind. Nach der­zei­ti­gem Kenntnisstand füh­ren sie jedoch nicht zu schwe­re­ren Krankheitsverläufen. Eine neue Mutation könn­te aber genau dazu füh­ren, dass auch Kinder und Jugendliche häu­fi­ger schwer erkran­ken. Um die­sem vor­zu­beu­gen, ist eine Immunisierung durch bei­spiels­wei­se eine Infektion mit der Delta-Variante ein mög­li­cher Schutz vor einer Escape-Variante, die ja irgend­wo in der Welt ent­ste­hen könn­te.“«

(Hervorhebungen nicht im Original.)


* Wie kommt so einer zu Positionen, die eigent­lich gebrand­markt gehö­ren? (s. Leopoldina-Forscher Falk: „Klappe hal­ten, imp­fen las­sen“)

»Rico Badenschier (* 18. Juli 1978 in Karl-Marx-Stadt) ist ein deut­scher Arzt und Politiker (SPD). Er ist seit dem 1. November 2016 Oberbürgermeister der Stadt Schwerin…

Seit 2008 ist Badenschier in Schwerin bei den Helios Kliniken Schwerin (Radiologie und Neuroradiologie) beschäf­tigt. Zuletzt als Oberarzt in der Neuroradiologie. Dem Betriebsrat gehör­te er von 2010 bis 2014 an. Mit der Übernahme des Amtes des Schweriner Oberbürgermeisters ende­te sei­ne beruf­li­che Tätigkeit in den Helios Kliniken…«
de.wikipedia.org

6 Antworten auf „Schweriner OB:
"Zeit, über die Aufhebung von Corona-Beschränkungen zu diskutieren"“

  1. Herrlich! Das vor­her noch leid­lich funk­tio­nie­ren­de System der frei­heit­li­chen Gesellschaftsordnung mit Grundzügen von Demokratie und Rechtsstaat wird öffent­lich exe­ku­tiert, und der Herr Badenschneider hat es nicht bemerkt. Soso, über die Corona-Beschränkungen soll sich unter­hal­ten wer­den. Na dann, viel Vergnügen. Anruf beim Corona-Kabinett reicht, und schon wird über die Sinnhaftigkeit von Maßnahmen dis­ku­tiert. Mal sehen, was die Wissenschaft so bei­zu­tra­gen hat. Wieviel Experten haben dies gleich wie­der versucht?

  2. Trotz klei­nen Aussetzern ("vier­te Welle", "Pandemie"): Hut ab vor die­sem Mann. Leider steht zu befürch­ten, daß ihn nie­mand hört, weil ihn (rein fach­lich) nie­mand versteht.

  3. "Durch die­se Maßnahmen konn­te die ers­te Welle früh gebro­chen wer­den, in der zwei­ten Welle unzäh­li­ge Leben in der Hochrisikogruppe der Älteren geret­tet und in der drit­ten Welle die Intensivstationen vor der Überlastung geschützt werden."

    Ist doch alles gelogen.Die Zahlen gin­gen immer vo rden Massnahmen runter…und eine Überlastung gab es nie,stand doch überall.Wo lebt der Mann?

    1. @Norman:
      die Erwähnung des­sen, was "die Maßnahmen" angeb­lich bewirkt haben war mög­li­cher­wei­se nur ein Zuckerl, um es über­haupt durch die Brandmauer der Medien und sons­ti­gen "Maßnahmen-Lügnern/Verharmlosern" zu schaffen.

      Es geht schließ­lich mitt­ler­wei­le weni­ger um "die Bekämpfung einer Pandemie" (zu Zeiten, als eine Einschätzung der Gefährlichkeit des angeb­lich "neu­ar­ti­gen Corona-Virus" noch nicht mit hin­rei­chen­der Genauigkeit mög­lich war, mag das Vokabular gerecht­fer­tigt gewe­sen sein) son­dern um die Aufrechterhaltung qua­si-reli­giö­ser Dogmen – wie bei Sekten, deren Heilsversprechen und Weltuntergangsvorhersagen bei offen­sicht­li­cher Abweichung von der Realität auch stets von den Gurus ange­passt werden.

      Was (bis jetzt) alles so hei­lig gespro­chen wurde:
      – Modellierer (je schlim­mer des­to heiliger)
      – Virologen (je pes­si­mis­ti­scher des­to heiliger)
      – "Wissenschaft" (je unwissenschaftlicher/unabhängiger des­to heiliger)
      – Masken
      – Impfung
      – Lüften
      – "Konzepte" (je dümm­li­cher und "stren­ger" des­to heiliger)
      – der Gefährlichkeitsgrad des Virus (abhän­gig von Varianten, Modellen und nicht Fakten: alles unter "Spanische Grippe" ist Frevel!)

  4. Es grenzt schon an Hokus-Pokus, wenn Manche glau­ben sie könn­ten eine infek­tiö­se Krankheit mit Hilfe von kon­tra­pro­duk­ti­ven Massnahmen und "Impfungen", die gera­de eine Infektion nicht ver­hin­dern, in der Ausbreitung stop­pen. Das ist so wie mit klei­nen Kindern, die ihre Köpfe ver­ste­cken und glau­ben, dass sie nicht mehr gese­hen werden.

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