Bayern-Wahl wirft Lichter voraus: Bußgelder sollen zurückerstattet werden

br​.de (30.11.22) Bild­rech­te: pic­tu­re alli­ance / Sven­Si­mon | FrankHoermann

»Die wäh­rend der baye­ri­schen Coro­na-Aus­gangs­­­be­schrän­kung im Früh­jahr 2020 ver­häng­ten Buß­gel­der soll­ten laut Jus­tiz­mi­nis­ter Eisen­reich zurück­ge­zahlt wer­den. In die­sem Punkt sei er sich mit Gesundheits­minister Holet­schek einig, sag­te er dem BR.
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Mehr als 22.000 Buß­gel­der wur­den in Bay­ern vom 1. bis zum 19. April 2020 wegen Ver­stö­ßen gegen die dama­li­ge stren­ge Aus­gangs­be­schrän­kung des Frei­staats ver­hängt – vor gut einer Woche kipp­te das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt die­se Coro­na-Rege­lung nach­träg­lich als unver­hält­nis­mä­ßig und unwirk­sam. Nach­dem sich das baye­ri­sche Gesund­heits­mi­nis­te­ri­um zur Fra­ge der Rück­zah­lung der Buß­gel­der zunächst zurück­hal­tend geäu­ßert hat­te, gab es nun offen­bar ein Umden­ken in der Staatsregierung.

"Wenn Bür­ge­rin­nen und Bür­ger einen ent­spre­chen­den Antrag stel­len, dann bin ich der Mei­nung, dass in den Fäl­len, wo man die­ses Buß­geld nicht recht­mä­ßig hät­te erhe­ben kön­nen, dass das dann auch zurück­ge­zahlt wird", sag­te Jus­tiz­mi­nis­ter Georg Eisen­reich dem BR. Der CSU-Poli­ti­ker füg­te hin­zu: "Der Gesund­heits­mi­nis­ter und ich wir sind uns in die­sem Punkt einig."..

Wie reagieren die Kommunen?

Meh­re­re Kom­mu­nen hat­ten bis­her den Stand­punkt ver­tre­ten, dass rechts­kräf­ti­ge Buß­geld­be­schei­de nicht durch die Ent­schei­dung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts berührt wür­den. So sag­te bei­spiels­wei­se ein Spre­cher der Stadt Bam­berg ver­gan­ge­ne Woche, es wer­de vor­aus­sicht­lich nicht zu Rück­erstat­tun­gen kom­men. Eine ähn­li­che Pro­gno­se kam aus Nürnberg…

Das Ver­las­sen der eige­nen Woh­nung war im Frei­staat nur mit "trif­ti­gen Grün­den erlaubt". Dazu zähl­ten beruf­li­che Tätig­kei­ten und Arzt­be­su­che, Ein­käu­fe, der Weg zum Lebens­part­ner sowie Sport oder Bewe­gung an der fri­schen Luft, "aller­dings aus­schließ­lich allei­ne oder mit Ange­hö­ri­gen des eige­nen Haus­stan­des". Die Poli­zei war ange­hal­ten, die Ein­hal­tung der Regeln zu kontrollieren.

Tausende Verstöße gegen Ausgangsbeschränkung

Nach Anga­ben des Gesund­heits­mi­nis­te­ri­ums wur­den in dem kon­kre­ten Zeit­raum ins­ge­samt 22.076 Buß­gel­der wegen Ver­stö­ßen gegen die Aus­gangs­be­schrän­kung ver­hängt. Allein in Mün­chen wur­den dem­nach 3.840 Buß­geld­be­schei­de aus­ge­stellt, in Nürn­berg etwa 1.300. Bei man­chen sei es neben Ver­stö­ßen gegen die Aus­gangs­be­schrän­kung auch um Ver­stö­ße gegen die Kon­takt­be­schrän­kun­gen gegan­gen, hieß es.

Eine Aus­gangs­be­schrän­kung gab es in Bay­ern zwar schon vor­her und auch noch danach – im aktu­el­len Ver­fah­ren ging es kon­kret aber nur um den Zeit­raum in der ers­ten April-Hälf­te…«

15 Antworten auf „Bayern-Wahl wirft Lichter voraus: Bußgelder sollen zurückerstattet werden“

  1. Nach dem Urteil des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts gibt es gute Grün­de anzu­neh­men, dass die Bür­ger ein Recht auf die­se Rück­erstat­tun­gen haben. Trotz­dem wird so getan, als käme man dem Pöbel noch groß­zü­gig ent­ge­gen. Und erwar­tet als Beloh­nung womög­lich auch noch die Stim­me bei den nächs­ten Wah­len. Lei­der ist es nicht unwahr­schein­lich, dass die­se Tak­tik auch noch auf­ge­hen wird.

    1. @King Not­hing: Bay­ern gehört zu den Bun­des­län­dern, in denen man (seit Jah­ren) immer den glei­chen Ein­heits­brei wählt; unab­hän­gig davon, wel­che Poli­tik gemacht wird. Ich behaup­te, dass man dort einen Besen auf­stel­len könn­te, dem man ein CSU-Schild umhängt. Der Besen wür­de gewählt! Frei nach dem Mot­to: „Was soll man denn auch sonst wäh­len?“ oder: „Das haben wir doch schon immer so gemacht.“ Die Aus­sicht auf 3,50 € Rück­erstat­tung ändert dar­an gar nichts.

      1. @Anne Hel­ga: Bei einem Besen bin ich skep­tisch. Der kann kei­ne Sprü­che klop­fen. Aber ein selbst­ver­lieb­ter Gockel wür­de bestimmt (wie­der) gewählt. 😉

    2. Da irrst nicht nur du dich. Die Bür­ger haben gera­de kein Recht auf Rück­erstat­tung, weil in Deutsch­land die Bestands­kraft von Ver­wal­tungs­ak­ten höher gewich­tet wird als die Fest­stel­lung einer Ver­fas­sungs­wid­rig­keit der die­sen zugrun­de lie­gen­den Rege­lun­gen. Das ist so im VwVfG gere­gelt und ent­spricht auch der höchst­ge­richt­li­chen "Recht­spre­chung". Ich hat­te hier­zu schon vor län­ge­rer Zeit was getippt:

      https://​www​.ds​-pek​ti​ven​.de/​?​p​=​1​0​670

      Und das war eben schon lan­ge "vor Coro­na" der Fall. Also für all jene, die mei­nen, dass wir zumin­dest bis 2020 so etwas wie einen "Rechts­staat" gehabt hät­ten. 😉 Man schafft per Ver­ord­nun­gen "Regeln", gegen die du dich im Eil­ver­fah­ren nicht effek­tiv weh­ren kannst, über­zieht dich mit Buß­gel­dern – und wenn dann nach weit über 2 Jah­ren ein Höchst­ge­richt ent­schei­det, dass die­se "Regeln" rechts- oder ver­fas­sungs­wid­rig waren, sagt man: Ätschi­bätsch! "Der Rechts­frie­den" müs­se schließ­lich gewahrt bleiben."

      Die ein­zi­gen, die von die­sem (im Übri­gen inhalt­lich ansons­ten voll­kom­men kon­tra­pro­duk­ti­ven) BVerwG-Urteil pro­fi­tie­ren sind jene, deren Ver­fah­ren noch nicht abge­schlos­sen ist, weil sie selbst Wider­spruch ein­ge­legt oder pro­zes­siert (und die Sache aus­rei­chend in die Län­ge gezo­gen) haben.

      1. @DS-pektiven: Dan­ke für die Infos. Dann also doch ein Gna­den­akt mei­ner groß­her­zi­gen, baye­ri­schen Regie­rung. Da ja trotz­dem jeder wohl einen sepe­ra­ten Antrag auf Rück­erstat­tung stel­len muss, wird sich der Andrang wohl ohne­hin in Gren­zen halten.

  2. ot
    Für Sie, wer­ter Herr Asch­mon­eit, wenn die Hei­zung mal wie­der aus­fal­len soll­te. Damit Sie uns erhal­ten blei­ben. Dan­ke, für die kri­ti­sche Begut­ach­tung der Bei­trä­ge, und das Augen­zu­drü­cken für mei­ne schlech­te Recht­schrei­bung und Gram­ma­tik. Auch als Para­de­bei­spiel, dass man sich nicht unbe­dingt in allem einig sein muß und trotz­dem anstän­dig mit­ein­an­der kom­mui­ka­ti­fi­zie­ren 😉 kann. 🙂

    "Land­ge­richt Ham­burg, Urteil vom 15.05.1975
    – 7 O 80/74 -
    Hei­zungs­aus­fall wäh­rend der Win­ter­mo­na­te – 100 % Mietminderung
    Unbe­heiz­ba­re Räu­me sind in Herbst und Win­ter prak­tisch unbe­nutz­bar – Miet­min­de­rung unab­hän­gig von Ver­schul­den des Vermieters"
    https://​www​.kos​ten​lo​se​-urtei​le​.de/​L​G​-​H​a​m​b​u​r​g​_​7​-​O​-​8​0​7​4​_​H​e​i​z​u​n​g​s​a​u​s​f​a​l​l​-​w​a​e​h​r​e​n​d​-​d​e​r​-​W​i​n​t​e​r​m​o​n​a​t​e​-​1​0​0​-​P​r​o​z​e​n​t​-​M​i​e​t​m​i​n​d​e​r​u​n​g​.​n​e​w​s​1​1​1​2​4​.​htm

    "Land­ge­richt Wies­ba­den, Urteil vom 04.07.1977
    – 1 S 426/76 -
    Erheb­li­che Beein­träch­ti­gung der Heiz­mög­lich­keit berech­tigt zu einer Mietminderung
    Min­de­rungs­quo­te von 100 % gerechtfertigt"
    https://​www​.kos​ten​lo​se​-urtei​le​.de/​L​G​-​W​i​e​s​b​a​d​e​n​_​1​-​S​-​4​2​6​7​6​_​E​r​h​e​b​l​i​c​h​e​-​B​e​e​i​n​t​r​a​e​c​h​t​i​g​u​n​g​-​d​e​r​-​H​e​i​z​m​o​e​g​l​i​c​h​k​e​i​t​-​b​e​r​e​c​h​t​i​g​t​-​z​u​-​e​i​n​e​r​-​M​i​e​t​m​i​n​d​e​r​u​n​g​.​n​e​w​s​1​4​8​5​6​.​htm

    "Land­ge­richt Ber­lin, Urteil vom 20.10.1992
    – 65 S 70/92 -
    Kei­ne Hei­zung im Win­ter: 100 % Mietminderung
    Woh­nung ist im Gebrauchs­wert erheb­lich beeinträchtigt"
    https://​www​.kos​ten​lo​se​-urtei​le​.de/​L​G​-​B​e​r​l​i​n​_​6​5​-​S​-​7​0​9​2​_​K​e​i​n​e​-​H​e​i​z​u​n​g​-​i​m​-​W​i​n​t​e​r​-​1​0​0​-​P​r​o​z​e​n​t​-​M​i​e​t​m​i​n​d​e​r​u​n​g​.​n​e​w​s​1​2​5​8​2​.​htm

    Hier las­sen sich noch wei­ter Urtei­le fin­den, mit 75%, 70%, usw.%
    "Miet­min­de­rungs­ta­bel­le 2022"
    https://​miet​min​de​rungs​ta​bel​le​.de/

    "Miet­män­gel
    10 wich­ti­ge Tipps zur Mietminderung
    Wann man die Mie­te min­dern kann und was bei der Miet­min­de­rung zu beach­ten ist"
    https://​www​.anwalts​re​gis​ter​.de/​R​e​c​h​t​s​r​a​t​g​e​b​e​r​/​1​0​_​w​i​c​h​t​i​g​e​_​T​i​p​p​s​_​z​u​r​_​M​i​e​t​m​i​n​d​e​r​u​n​g​.​d​6​2​1​.​h​tml

  3. Ich hielt es für einen Scherz. Einen sehr schlech­ten dazu. Kann man Stim­men­kauf offe­ner zeigen? 

    Wenn ein Gericht die Rück­zah­lung anord­net, sehr gut. Aber aus oppor­tu­nis­ti­schen Erwä­gun­gen her­aus kurz vor einer Wahl, um die Ver­fas­sungs­brü­che ver­ges­sen zu machen? Nein, dan­ke. Es mag den einen oder ande­ren hart tref­fen, aber dies ist ver­gleich­bar dem Stim­men­kauf in anti­ken Zei­ten und in man­chen Gegen­den der Welt noch heute.

  4. "»Die wäh­rend der baye­ri­schen Coro­na-Aus­gangs­be­schrän­kung im Früh­jahr 2020 ver­häng­ten Buß­gel­der soll­ten laut Jus­tiz­mi­nis­ter Eisen­reich zurück­ge­zahlt werden."

    …soll­ten
    viel­leicht, eventuell

    Und bit­te alles vergessen
    Z.B. das Jagen der Kin­der beim Rodeln

    Und eine par­la­men­ta­ri­sche Auf­ar­bei­tung soll­te auch stattfinden

    https://​www​.welt​.de/​p​o​l​i​t​i​k​/​d​e​u​t​s​c​h​l​a​n​d​/​p​l​u​s​2​4​2​4​1​0​9​0​3​/​F​D​P​-​G​e​s​u​n​d​h​e​i​t​s​e​x​p​e​r​t​e​-​U​l​l​m​a​n​n​-​E​i​n​e​-​a​n​d​e​r​e​-​C​o​r​o​n​a​-​K​o​m​m​u​n​i​k​a​t​i​o​n​-​h​a​e​t​t​e​-​v​i​e​l​-​S​c​h​m​e​r​z​-​i​n​-​u​n​s​e​r​e​m​-​L​a​n​d​-​v​e​r​h​i​n​d​e​r​n​-​k​o​e​n​n​e​n​.​h​tml

    Nennt sich "Gut-Wet­ter-machen" oder auf Ver­söh­nung einstellen

  5. Zunächst ein­mal könn­ten alle noch lau­fen­den Buß­geld­ver­fah­ren ein­ge­stellt wer­den, ins­be­son­de­re die gegen die All­ge­mein­ver­ord­nung (Ver­bot von "Spa­zier­gän­gen").
    In Mün­chen wur­de die All­ge­mein­ver­fü­gung zwei mal in ers­ter Instanz im Eil­ver­fah­ren gekippt, die­se Ent­schei­dun­gen wur­de dann jeweils in 2. Instanz inner­halb von weni­gen Stun­den wie­der revi­diert, offen­sicht­lich poli­ti­sche Ent­schei­dun­gen, in der der jewei­li­ge Rich­ter m.M.n. gar kei­ne Zeit hat­te, sich ernst­haft mit der Sach­la­ge zu beschäf­ti­gen. Soweit ich weiß, ist ein Haupt­sa­che­ver­fah­ren noch offen (viel­leicht mal in einem Jahr oder so) und dürf­te nach obi­ger Ent­schei­dung gute Aus­sich­ten haben.

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