Kollegen?

Vor der Demonstration am 29.8. wur­de hier gefragt Setzt Polizei wie­der Provokateure ein?. Dieses Bild – nach einem im Video gezeig­ten ver­meint­lich bru­ta­len Polizeieinsatz – wirkt jeden­falls sehr kollegial.

RT Deutschland hat­te am Samstag stun­den­lang die Nazi-Veranstaltungen über­tra­gen. Der Kanal folgt damit einer pro­ble­ma­ti­schen Tradition in der Logik "Der Feind mei­nes Feindes ist mein Freund". Angesichts von mehr als 20 Millionen sowje­ti­scher Opfer deut­scher Faschisten wirkt das verstörend.

So hat­te RT die Bilder als Revanche für deut­sche Medien im Kasten, die bele­gen soll­ten, wie fried­li­che DemonstrantInnen, die sich zudem noch ruß­land­freund­lich gebär­den, von der Polizei fest­ge­nom­men wer­den. Und die Polizei gene­rier­te Futter für die Medien, die "Auseinandersetzungen" ver­mel­den konn­ten. Daß sie bei einer Nazi-Kundgebung statt­fan­den und nicht bei der der Querdenker, kam allen­falls am Rande zur Sprache.

Vertraut ist auch die Darstellung des "Sturms auf den Reichstag". Tagelang war zuvor von Rechtsradikalen offen dazu mobi­li­siert wor­den. Und aus­ge­rech­net dort, am Reichstag, waren die Polizeiposten dann unter­be­setzt, so daß medi­en­ge­recht von ein paar Dutzend Nazis Sperrgitter über­wun­den wer­den konn­ten. Korrektur 22:14: Es waren offen­sicht­lich eini­ge hun­dert Nazis, die dort fast eine Viertelstunde ran­da­lie­ren durf­ten. Siehe die­ses Video, das aus Sicht der "Stürmer" entstand.

Dieses mit­or­ga­ni­sier­te oder zumin­dest gedul­de­te Spektakel bil­de­te den will­kom­me­nen Vorwand, nicht über das Anliegen der Demonstration zu spre­chen. Steinmeier, Scholz, Seehofer (um nur die mit S begin­nen­den zu erwäh­nen) über­schlu­gen sich ent­spre­chend mit Empörungsorgien.
Update: Sorry, die Herren Spahn und Schäuble soll­ten nicht unter­schla­gen werden.

Ob das ein cle­ve­res Vorgehen ist ange­sichts der ste­tig wach­sen­den Skepsis den Medien gegenüber?

Eine Antwort auf „Kollegen?“

  1. und noch­mal kann ich nur mei­ne Verwunderung dar­über aus­spre­chen, dass der "Reichstag" der­ma­ßen unge­schützt sein soll auch noch ange­sichts der Tatsache, dass dort in spuck­wei­te eine sehr dubio­se Veranstaltung bekann­ter- und geneh­mig­ter­wei­se statt­ge­fun­den hat. Und was ich mir nun wirk­lich nicht erklä­ren kann: wur­den die Reden dort den nicht ver­folgt? Soll die­ser Aufruf und die­ser "Sturm" gänz­lich uner­war­tet erfolgt sein? Und war­um waren dann plötz­lich soviel Beamte da – aber erst, nach­dem es schon längst zu dra­ma­ti­schen Bildern HÄTTE KOMMEN KÖNNEN!
    Das wirkt auf mich alles so der­ma­ßen abgekartet …

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