Missing line

n‑tv zeigt heu­te eine Grafik, die das Ausmaß der Corona-Entwicklung in den USA dar­stel­len soll. Unter den steil anstei­gen­den Kurven bleibt die der Toten auf­fal­lend zurück.

Im n‑tv-Original fehlt zudem die blaue Linie. Sie beschreibt die Zahl der im dar­ge­stell­ten Zeitraum (sta­tis­tisch) gestor­be­nen US-AmerikanerInnen. (s. New York: Wettrennen um die höchs­ten Todesraten)

Paritätischer fordert Überbrückungsgeld für Corona-Risikogruppen

evangelisch.de berich­tet heute:

'Der Paritätische Wohlfahrtsverband for­dert eine finan­zi­el­le Unterstützung für Angehörige von Risikogruppen, die aus Angst vor einer Corona-Infektion nicht zur Arbeit gehen. Es dro­he eine Situation, in der gesund­heit­lich beson­ders gefähr­de­te Beschäftigte allein aus Angst vor Verdienstausfall ihre Arbeit wie­der auf­neh­men und sich damit in Lebensgefahr bege­ben, erklär­te der Paritätische Gesamtverband am Dienstag in Berlin. Der Wohlfahrtsverband schlug des­halb ein Überbrückungsgeld vor, dass sich an den Regelungen zum Kurzarbeitergeld orientiert.'

evan­ge­lisch. de ist ein Produkt des Gemeinschaftswerks der Evangelischen Publizistik (GEP) gGmbH, das sich beschreibt als "das mul­ti­me­dia­le Kompetenzzentrum für die Evangelische Kirche in Deutschland… und alle inter­es­sier­ten Unternehmen und Organisationen." Da ver­wun­dert es nicht, über dem Artikel zu lesen "Noch eine Gruppe, für die finan­zi­el­le Unterstützung in der Corona-Krise gefor­dert wird" und um der Ausgewogenheit wil­len auch die­ses ver­mel­det wird:

'Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) erklär­te zu dem Vorstoß des Paritätischen, jetzt müs­se es vor allem um Lösungen gehen, die auch Risikogruppen ermög­li­chen, wie­der ihrer Arbeit nach­zu­ge­hen. Mit geeig­ne­ten Schutzmaßnahmen und indi­vi­du­ell ange­pass­ter Arbeitsgestaltung las­se sich dies sehr oft errei­chen. "Es darf nicht sein, dass Verdienstausfall gezahlt wird, obwohl Arbeit wegen vor­han­de­nem Infektionsschutz mög­lich ist", erklär­ten die Arbeitgeber.'

Tafeln warnen vor Anstieg der sozialen Not durch Corona-Krise

'Die Tafeln in Deutschland war­nen vor einem dra­ma­ti­schen Anstieg der sozia­len Not durch die Corona-Krise. Aufgrund von Jobverlusten und Kurzarbeit sei­en schon jetzt Tausende zusätz­li­che Menschen auf die Versorgung mit gespen­de­ten Lebensmitteln ange­wie­sen, mit einer wei­te­ren Zunahme sei zu rech­nen, sag­te der Verbandsvorsitzende Jochen Brühl dem Evangelischen Pressedienst (epd)…

Für die mehr als 940 Tafeln mit ins­ge­samt 1,6 Millionen Nutzern sei­en die Maßnahmen zur Kontaktreduzierung eine gro­ße Herausforderung, sag­te Brühl. Denn hier kämen vie­le Menschen auf teils engem Raum zusam­men, zudem gehör­ten rund 90 Prozent der ins­ge­samt 60.000 ehren­amt­li­chen Helfer auf­grund ihres Alters oder von Vorerkrankungen zur Risikogruppe. Zwischenzeitlich sei­en des­halb etwa 450 Einrichtungen geschlos­sen gewe­sen. Durch eine Umstellung ihrer Arbeit konn­ten inzwi­schen aber mehr als 100 Tafeln vor allem in grö­ße­ren Städten wie­der öff­nen, wie der Vorsitzende des Dachverbands erklärte.'

Link (Dieser Link wur­de inzwi­schen entfernt.)

Verhältnismäßigkeit / Hunger-Pandemie

"Die Corona-Pandemie droht nach UN-Angaben die Hungerkrise in Westafrika erheb­lich zu ver­schär­fen. Ohne Hilfe von außen könn­te sich die Zahl der Hungernden in der Region in den nächs­ten sechs Monaten auf 43 Millionen Menschen ver­dop­peln, warn­te Elisabeth Byrs, Sprecherin des Welternährungsprogramms (WFP) am Dienstag in Genf. Dies trä­fe auch Millionen Kinder unter fünf Jahren." Link

Laut WHO haben wir bis heu­te welt­weit 243.540 Corona-Tote zu beklagen.

Nein, sie wer­den schon nicht alle ver­hun­gern in Westafrika. Nach der Statistik von Unicef sind in die­sem Jahr welt­weit wahr­schein­lich bereits 800.000 Kinder unter 5 Jahren an Mangelernährung gestor­ben (s. Heucheln sie noch oder meu­cheln sie schon? und Solidaritätsgeheuchel und bit­te­re Realität).

Hat jemand aus die­sen Gründen jemals einen Lockdown ins Auge gefaßt? „Verhältnismäßigkeit / Hunger-Pandemie“ weiterlesen

Gericht kippt Maskenpflicht an Jenaer Schulen

Das teilt heu­te der Tagesspiegel mit:

"Jenaer Schüler brau­chen kei­nen Mund- und Nasen-Schutz im Unterricht mehr zu tra­gen. Das hat am Dienstag das Verwaltungsgericht Gera per Eilverfahren ent­schie­den. Die Vorschrift in der jüngs­ten Allgemeinverfügung der Stadt wur­de für rechts­wid­rig erklärt, wie Gerichtssprecher Bernd Amelung der Deutschen Presse-Agentur sagte.

Aufgrund der aktu­ell gerin­gen Infektionszahlen in der Stadt sei kei­ne Notwendigkeit für eine solch ver­schärf­te Hygienevorkehrung im Unterricht gege­ben, hieß es zu Begründung. Die Stadt hat­te mit der seit Wochenbeginn gel­ten­den Maskenpflicht im Unterricht einen Sonderweg beschrit­ten. Dagegen war die Freie Waldorfschule Jena juris­tisch vorgegangen.

Die Stadt Jena erken­ne die Gerichtsentscheidung an, teil­te ein Stadtsprecher am Abend mit. Unverändert hal­te die Stadt aber den Ansatz für rich­tig, dass die Mund-Nasen-Bedeckung die Verbreitung der Aerosole in geschlos­se­nen Räumen abschwä­chen kön­ne. Im Lichte der Entscheidung wer­de die Stadt ihre bis zum 10. Mai gül­ti­ge Verfügung über­ar­bei­ten. (dpa)"

Professoraler Zynismus

In betriebs­wirt­schaft­li­chen Rechnungen gilt die Arbeitskraft von Menschen als Kostenfaktor. Deshalb sind nicht nur in pri­va­ten Krankenhäusern die Stationen unter­be­setzt und die Beschäftigten unter­be­zahlt und enor­mem Streß ausgesetzt.

Diese kapi­ta­lis­ti­sche Logik fin­det sich auch unter Wissenschaftlern. Auch sie müs­sen sich auf einem Markt behaup­ten. Sie sind in aller Regel von wirt­schaft­li­chen Sponsoren abhän­gig, kaum eine Forschungsinstitution kann sich davon frei­ma­chen. Das bestimmt auch das Denken.

Ein beson­ders unan­ge­neh­mes Beispiel dafür fin­det sich einem Aufruf mit dem Titel "Die Schäden der Maßnahmen dür­fen nicht grö­ßer sein als die Schäden des Virus" vom 4.5. Hier ist zu lesen:

"Wenn wegen des über­wie­gend hohen Alters und der Vorerkrankungen jeder poten­ti­ell Gerettete noch durch­schnitt­lich 1.000 Tage Restlebenszeit hät­te, wür­den selbst bei 200.000 ver­mie­de­nen Todesopfern nur 200 Mio. Lebenstage geret­tet. Bei einem wirt­schaft­li­chen Schaden von 1.000 Mrd. € wären das 5.000 € pro geret­te­tem Lebenstag, und das wahr­schein­lich bei stark ein­ge­schränk­ter Lebensqualität. Diese hohen Kosten sind durch nichts zu recht­fer­ti­gen. Die Maßnahmen, die einen wirt­schaft­li­chen Schaden in sol­cher Größenordnung ver­ur­sa­chen, sind des­halb unverhältnismäßig."

Nicht zufäl­lig fin­det sich die­ser Text auf der rechts­ra­di­ka­len Seite freiewelt.net, wo sich Forderungen fin­den wie "Asylrücklage auf­lö­sen – Deutschen Bürgern und Unternehmen hel­fen" und Frau von Storch (Afd) den "Ausstieg aus der Ära Merkel: Freiheit statt Seuchen-Sozialismus" for­dert.

Ohne Worte

Wie heißt es doch so wei­se in der "jun­gen Welt"?

"Niemand hat einen Nutzen vom Lockdown, kei­ne Lobbygruppe, kei­ne Klasse oder sozia­le Schicht." (s. Corona und Dialektik)

Amazon dichtmachen wegen Corona?

In Winsen an der Luhe sol­len sich Ende April 68 von rund 1.800 Beschäftigten mit Corona infi­ziert haben. Die ver.di-Sekretärin Sandra Schmidt wird mit dem Satz zitiert: »Ich ver­ste­he nicht, war­um man bei so vie­len Infektionen den Laden nicht erst mal dichtmacht.«

Nur, was ist dran an die­sen Meldungen? Es gibt als ein­zi­ge Quelle dafür (aus­ge­rech­net) das Manager-Magazin. Andere Medien kochen damit ihr jewei­li­ges Süppchen. Die Berliner Zeitung ver­wurs­tet es zu einer Schlagzeile 'Arbeiten bei Amazon: „Es sind Zustände wie in der DDR'. Die jun­ge Welt titelt heute:

"Schutzlos aus­ge­lie­fert
Coronavirus: 70 Infizierte in Amazon-Versandzentrum im nie­der­säch­si­schen Winsen – Betriebsrat offen­bar gegen Schließung

Frankreichs Behörden und Gerichte neh­men Amazon in der Coronakrise an die Kandare, ver­lan­gen Schutzkonzepte für die Belegschaften. Hierzulande genießt der Versandhandelsprimus, der zu den gro­ßen Profiteuren der Pandemie gehört, dage­gen offen­bar Narrenfreiheit. „Amazon dicht­ma­chen wegen Corona?“ weiterlesen

Die schlimmen Schweden

Schweden wird immer wie­der als Beispiel dafür vor­ge­stellt, wie gefähr­lich ein Verzicht auf einen Lockdown ist. In die­ser Frage ist die Medienlandschaft wenig differenziert.

Dabei wird stets auf die Sterblichkeit pro Mio. Einwohner ver­wie­sen. Sie ist in der Tat deut­lich höher als in der BRD.

Vergleicht man dar­über hin­aus ande­re Länder, dann stellt man fest: Staaten ohne Lockdown (in der Grafik rot) schnei­den nicht wirk­lich schlech­ter ab.

Die Zahlen sind der heu­ti­gen Statistik der Johns-Hopkins-Universität ent­nom­men. Link